Sport als Hörgeschädigter


Auf der IFA 2015 in Berlin bin ich auf eine Firma aufmerksam geworden, die spezielle Hörgeräte entwickelt. Dabei handelt es sich um die kleinsten und leichtesten Geräte auf dem Markt. Von meiner Begeisterung hatte ich euch damals bereits erzählt.

Jetzt erfuhr ich durch den Hersteller von einem jungen Sportler, der trotz seiner Hörschädigung sehr erfolgreicher Fechter ist. Heute möchte ich euch daher ein Interview mit Jonas Enzmann zeigen.

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Das Interview ist ursprünglich in der Fachzeitschrift “Audio Infos” erscheinen. Ich darf dieses hier mit freundlicher Genehmigung erneut veröffentlichen. Dann noch ein kleiner Hinweis zur Abkürzung “CI”. Die Abkürzung steht für “Cochlea-Implantat”. Was sich hinter einem solchen Implantat verbirgt, das erfahrt Ihr in diesem Artikel in der Wikipedia.

Sport als HörgeschädigterJonas Enzmann (12) ist von Geburt an Taubheit grenzend hörgeschädigt. Im Alter von zwölf Monaten wurde er mit einem ersten Cochlea-Ipmplantat (CI) versorgt; sein zweites CI erhielt er mit sechs Jahren. Heute ist Jonas, der mit seiner Familie in Leipzig lebt, Schüler in einem Sportgymnasium.

Er ist erfolgreicher Florettfechter, war u. a. in seiner Altersklasse Landesmeister von Sachsen. Im Gespräch berichtete er uns von seinem Leben mit dem CI und warum er ohne seine Hörimplantate seinen Sport gar nicht ausüben könnte.

Das Interview: „Ohne die CI könnte ich nicht fechten.“, ein Gespräch mit dem Schüler und Florett-Fechter Jonas Enzmann (12).

Redaktion: Jonas, wie bist Du eigentlich zu Deinem ersten Cochlea-Implantat gekommen?
Jonas Enzmann: Ich war ein Jahr alt. Da ging ich mit meinen Eltern und meiner Oma in eine Kirche. Die Orgel spielte. Und es war so laut, dass sich alle erschrocken haben. Nur ich nicht. Die anderen wunderten sich natürlich darüber.

Wir gingen dann zu einer Untersuchung. Und bei der hat man festgestellt, dass ich taub bin. Dann war ich in einer Klinik, und ich habe auf der linken Seite mein erstes CI bekommen. Hätte ich das erst mit fünf bekommen, dann könnte ich heute nicht so gut sprechen.

Mit sechs Jahren kam ich dann noch einmal in die Klinik. Da habe ich dann mein zweites CI auf der rechten Seite bekommen. Durch meine beiden CI kann ich heute ganz gut hören. Also, eigentlich höre ich ganz normal. Einmal habe ich sogar den Computer besiegt.

Ich musste da Aufgaben machen, und der Computer ist fast verrückt geworden, weil ich so gut gehört habe.

Redaktion: Wie ist denn der Unterschied zwischen dem Hören mit einem CI und dem mit zwei?
Jonas Enzmann: Also, mit einem CI hört man auch sehr viel. Aber mit zweien kann man viel besser hören als mit einem. Man hört dann auch die Umgebung viel besser. Man hört zum Beispiel, ob ein Ton von rechts kommt oder von links oder wenn im Rücken einer hupt.

Redaktion: Und wie hörst Du ohne Deine Cochlea-Implantate?
Jonas Enzmann: Ohne CI höre ich nichts. Auch wenn etwas explodieren würde, würde ich das nicht hören. Ich würde das nur fühlen. Wenn mir jemand so richtig laut ins Ohr schreit, dann spüre ich innen so einen Druck. Das ist so wie der Druck, den man beim Tauchen in den Ohren hat.

Redaktion: Hast Du auch einen Kindergarten besucht? In welche Schule gehst Du?
Jonas Enzmann: Am Anfang war ich in einem Hörgeschädigten-Kindergarten. Da waren auch andere Kinder mit Hörgerät oder CI. Aber es stellte sich bald heraus, dass ich zu gut hören kann. Deshalb ging ich dann in einen normalen Kindergarten und später in eine normale Grundschule.

Inzwischen besuche ich ein Sportgymnasium – und ich bin beim Fechtclub Leipzig. In meiner Schule hat sonst niemand ein CI. Für den Unterricht nutze ich auch noch eine FM-Anlage. Die nimmt der Lehrer, damit ich ihn besser verstehen und dem Unterricht besser folgen kann. Manche Lehrer reden ja auch leise oder schnell. Und mit der Anlage kann ich sie dann besser verstehen.

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Comments 3

  1. Auf dem Gymnasium war ich in einer Integrationsklasse, da wir einen Hörgeschädigten bei uns in der Klasse hatten – später sogar zwei. Von der 5. bis zur 7. Klasse hatten wir einen eigenen Raum mit Teppich damit es nicht so schallt und wir saßen in U-Form, sodass unser Mitschüler von den anderen Schülern von den Lippen ablesen konnte, wenn er uns nicht verstand. Die Lehrer kamen immer zu uns und hatten dann auch das FM-Gerät um. Wir waren auch nur 18 Schüler. Das war natürlich ein Vorteil für die ganze Klasse, aber ab der 8. Klasse mussten wir auch von Raum zu Raum ziehen. Ich finde es super, dass Hörgeschädigte integriert werden. Sie müssen ja auch im Alltag lernen mit Nicht-Tauben umzugehen.

    1. Interessant – wie sah es denn mit den Mitschülern aus, hatten diese Vorbehalte gegen die eingeschränkten Schüler oder war die Einschränkung bei euch nie ein Thema?

      1. Der eine Mitschüler war sehr beliebt bei allen. Es gab keine Berührungsängste und er wurde als ganz normaler Mitschüler gesehen. Er war auch son bisschen der Klassenclown, worüber er vielleicht seine Behinderung kompensieren wollte. Der zweite Hörgeschädigte war so ganz und gar nicht beliebt. Aber das lag eher an ihm selbst. Er hat selten seine Hörgeräte benutzt, war aggressiv und sehr eigen. Inzwischen ist dies natürlich nicht mehr so.

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