Trendsportarten und ihr Verletzungsrisiko


Glitzernder Neuschnee, blauer Himmel und strahlende Sonne – die idyllische Kulisse kann trügerisch sein, wie der dramatische Ski-Unfall des deutschen Ex-Formel 1 Piloten in den französischen Alpen deutlich machte. Dabei sind im klassischen Alpinsport schwerwiegende Frakturen im Kopfbereich eher die Ausnahme. Neben Oberkörper- und Schulterverletzungen ist vor allem das Knie eine gefährdete Problemzone.

„Das Knie ist das anfälligste Gelenk bei Skisportlern“, sagt Spezialist Dr. Thomas Böhme, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Spezielle orthopädische Chirurgie am Orthopädischen Zentrum Frankfurt-Süd. „Gefährlich sind besonders die Drehbewegungen des belasteten Skis. Hierbei kommt es zu ungünstigen Hebelmechanismen, die von der Muskulatur nicht mehr gehalten werden kann, so dass oft der Innenmeniskus und das vordere Kreuzband reißen.“

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Noch gefährlicher sind Trendsportarten wie Kite-Snowboarden oder Snowbiking. Denn gerade bei diesen besonders angesagten Winter-Sportarten fehlt es den Sportlern häufig an Erfahrung und Ausrüstung. Die Folge können komplizierte Verletzungen sein, wie der Unfallchirurg erläutert. Die Top 3 Trendsportarten des Winters 2014 und ihr Verletzungsrisiko lauten wie folgt:

Freestyle Skiing
Der trendige kleine Bruder des klassischen Skisports zieht vor allem junge und ambitionierte Skifahrer an, die sich durch spektakuläre und kunstvolle Sprungvariationen zu übertreffen versuchen. Ebenso beindruckend wie die einzelnen Sprünge sind dabei leider auch die Stürze. „Gerade das Springen erhöht die Verletzungsgefahr erheblich. Meist sind Knie- und Schultergelenke oder auch der Rücken betroffen“, erläutert Dr. Böhme. Das besonders empfindliche Kniegelenk schützen Sportler am besten durch eine ausreichend trainierte Stützmuskulatur. Beinachsen- und Koordinationstraining sind effektiver als reines Krafttraining, um langwierige Gelenkverletzungen zu vermeiden. Zum Aufwärmen der Muskulatur sollten einfache Pisten gewählt werden. „Junge Sportler glauben nicht, dass auch viele kleine Sportschäden im Gelenk langfristig zu einer Arthrose führen können“, so der Spezialist.

Snowbiken
Immer häufiger rauschen auf Skipisten auch Fahrer mit seltsamen Gefährten die Hänge hinab. Wie ein Fahrrad ist das Snowbike mit Lenker und Sitzbank ausgestattet. Statt der Räder hat es jedoch zwei Kufen, zwei zusätzliche Kurz-Ski schnallt sich der Snowbiker unter die Füße. Ganz so einfach wie Fahrradfahren ist Snowbiken jedoch nicht. Gerade Menschen mit Rückenproblemen warnt Bewegungsexperte Dr. Böhme vor Übermut: „Die Belastungen für die Wirbelsäule sind nicht zu unterschätzen, denn auch auf holprigen Pisten muss der Snowbiker im Sattel sitzen bleiben, um sein Gefährt sicher steuern und bremsen zu können. Neben der Kontrolle des Bikes müssen auch die Kurz-Ski beherrscht werden. Bei einem Sturz ist das Sportgerät für Bauchverletzungen verantwortlich. Die Folge sind nicht selten Mehrfachverletzungen der Hände, Schulter- und Kniegelenke und Wirbelkörperfrakturen.“

Kite-Snowboarden
Kite-Snowboarding gehört zu den spektakulärsten Trendsportarten: Die Sportler lassen sich dabei von einem Lenkdrachen über den Schnee ziehen und vollführen aufsehenerregende und bisweilen auch riskante Sprünge mit dem Snowboard. Dabei werden die Fahrer bis zu zehn Meter hoch in die Luft gezogen. „Kite-Snowboarden ist mit Sicherheit spektakulär anzusehen, gehört jedoch leider auch zu den Trendsportarten mit dem größten Verletzungsrisiko“, so der Frankfurter Facharzt. „Dazu zählen neben typischen Skiverletzungen im Knie- und Beinbereich auch Rippen- und Wirbelbrüche sowie Schulterluxationen.“ Vorkenntnisse in Sportarten wie etwa Windsurfen oder auch Paragliding sowie eine entsprechend sichere Beherrschung des Snowboards sollten zum Pflichtprogramm der Sportler gehören, rät Dr. Böhme.

Wintersportverletzungen vorbeugen
Vielfach können Wintersportverletzungen durch gute Vorbereitung und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen verhindert werden. „Wie das Auto so brauchen auch Ski und Körper Vorbereitungen für die Wintersportsaison. Optimalerweise sollte man 6 Wochen vor dem Urlaub mit einem kleinen Konditions- und / oder Koordinationstraining beginnen. Ein effektives Training beinhaltet beispielsweise 2 x wöchentlich Joggen, Radeln oder Spinning“, rät Dr. Böhme. Auch die Skiausrüstung sollte in gutem Zustand sein:

„Für das Material bieten viele Fachgeschäfte einen günstigen Check an, denn vielleicht sind Bindung und Ski nicht mehr auf dem aktuellen Stand oder nicht mehr passend zu Größe und Gewicht des Skifahrers“.

Wenn die Präventionsmaßnahmen im Vorfeld des Wintersporturlaubs abgeschlossen sind, geht es um das richtige Verhalten auf der Piste. „Vor Ort gilt: Erst Warmfahren, dann Vollgas geben. Bei Ermüdungserscheinungen sollte man Pausen einlegen. In den ersten Tagen ist das spätestens nach drei Stunden der Fall. Auf der Piste sind Alkohol und ein voller Magen nicht zu empfehlen. Nach dem Skifahren sollte für einen Ausgleich gesorgt werden. Wenn es im Hotel die Möglichkeit gibt, ist Schwimmen oder Saunieren optimal. Ein Spaziergang oder Tanzabend ist aber auch ein guter Ausgleich für die einseitig belasteten Muskeln“, sagt der Frankfurter Facharzt. Mit diesen Tipps steht dem Skivergnügen nichts mehr im Wege.

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