Training – der Gehirnbooster


Körpelriches Training ist genauso wichtig für das Gehirn wie für den Körper. Gut das weiß man im Allgemeinen. Nur wer weiß schon genau warum? Ich wage mich an einen Erklärungsversuch.

Wir Menschen sind dazu geschaffen uns zu bewegen. Unsere Körper, einschließlich unseres Gehirns, haben sich über Jahrtausende auf die Anforderungen körperlicher Herausforderungen eingestellt. Unser Gehirn und unsere Bewegungsabläufe waren auf das Nachstellen und der Jagd nach Beute fein abgestimmt .

“Wir haben das jetzt aus unserem Leben heraus entwickelt”, sagt Charles Hillman , Professor für Psychologie an der Northeastern University. Er hat Jahrzehnte der Forschung nach der Verbindung zwischen Bewegung und Wahrnehmung gewidmet. Der Preis, den unser relativ neuer, sesshafter Lebensstil von uns fordert, ist hoch: Zum ersten Mal in der Geschichte wird erwartet , dass jüngere Generationen ein kürzeres, sowie ungesünderes Leben führen als ihre Eltern.

Training formt den Körper und das Gehirn

Es gibt unzählige Möglichkeiten unsere Körper nach unserem Willen zu formen. Schon lange haben Forscher vermutet, dass das gleiche auch für das Gehirn gilt. Jahrzehntelange Forschung hat nun den Einfluss von Bewegung auf die Wahrnehmung, das Gedächtnis und visuelle Sensibilität untersucht.

Richard Maddock, Professor für Psychiatrie an der University of California sagt: “Es gibt einen sehr deutlichen Befund, dass das Gehirn nach dem Training besser funktioniert”. Aber warum hat man so lange gebraucht um das herauszufinden? Ganz einfach: Erst in jüngster Zeit hat die Technologie den Wissenschaftlern geeignete Werkzeuge an die Hand gegeben, um die Mechanismen genau zu untersuchen.

Aerobic-Übungen zum Beispiel scheinen sowohl die Struktur des Gehirns zu verändern, als auch die Art und Weise wie es funktioniert. Das zum Beispiel fördert Lernen bei Kindern und bietet den Erwachsenen einen Vorteil bei kognitiven Aufgaben. Die Forschung ist sich auch dahingehend einig, dass körperliches Training vor den kognitiven Abau schützt, der oft mit dem Alter einhergehen.

Was weiß man also und wie genau weiß man es?

Gehirnwellen erhalten einen Boost

Das Gehirn wird während des Workout viel aktiver, “vielleicht aktiver als zu jeder anderen Zeit”, sagt Maddock. Neuronen kommunizieren mit elektrischen Impulsen, und manchmal feuern ganze Netzwerke von Neuronen zusammen, wie eine Gruppe von Fußballfans, die gemeinsam bei einem Spiel jubeln.

Diese synchronisierten Impulse sind umgangssprachlich als Gehirnwellen bekannt. Verschiedene Arten von Gehirnwellen, die durch die Anzahl der Schwingungen in einer Sekunde charakterisiert sind, charakterisieren den mentalen Zustand und die eigene Stimmung.

Wellen mit niedriger Frequenz treten auf, wenn wir auf dem “Autopiloten” laufen: Zähneputzen, Auto fahren oder Schlafen, zum Beispiel. Wellen mit höherer Frequenz, die als Beta-Wellen bekannt sind, treten auf, wenn wir wach, aufmerksam und geistig beschäftigt sind.

Forscher haben mithilfe von Instrumenten wie einem Elektroenzephalogramm (EEG), die diese elektrischen Impulse erfasst und herausgefunden, dass aerobes Training zu einer Verschiebung der Amplitude und Frequenz von Gehirnwellen führt. Mit anderen Worten heißt das, dass wir während des Trainings in einem wachsameren Zustand sind. “Das Gehirn ist in einem anderen Gang, wenn der Mensch in Bewegung ist”, sagt Maddock.

Unsere Wahrnehmung wird schärfer

Während des Trainings wird das Gehirn für eingehende Informationen empfänglicher und dies führt zu messbaren Veränderungen des Sehens. Tom Bullock und Barry Giesbrecht, Professor für Psychologie und Hirnforschung an der UC Santa Barbara, arbeiten in einem der wenigen Labore, die es geschafft haben, die Auswirkungen von aeroben Aktivitäten auf den visuellen Kortex. Bullock sagt, dass es vier Jahre gedauert hat, herauszufinden, wie man ein EEG konsequent und zuverlässig aufzeichnet, während ein Subjekt in Bewegung ist.

Der visuelle Kortex ist so konzipiert, dass wichtige Funktionen in der Umgebung, z. B. das Vorhandensein eines Raubtieres oder Beute, hervorgehoben werden und weniger wichtiges “Hintergrundgrauschen” herausgefiltert wird.

In diesem Jahr fanden Bullock und Giesbrecht heraus, dass Radfahren mit geringer Intensität diese Eigenschaft der selektiven Wahrnehmung verstärkt, so dass das Gehirn bestimmte Merkmale während des Trainings besser identifizieren konnte.

Interessantes Experiment hierzu war die Messung der Flimmerfusionsschwelle – Die Geschwindigkeit, mit der ein blinkendes Licht von uns so wahrgenommen wird als würde es konstant leuchten. Das Ergebnis: Nach dem Sport sind die sinne geschärft das Blinken wird mit einer höheren Frequenz als vor dem Training wahrgenommen.

Unser Gehirn baut Neurotransmitter-Speicher auf

Die Vorteile von Bewegung für das Gehirn beginnen ab dem Moment, sobald die Herzfrequenz zu steigen beginnt. Stellt Euch vor: Die morgendliche Fahrt auf Ihr Fahrrad, der Atem wird schneller und schwerer, weil die Lungen sich bemühen, den Sauerstoffbedarf des Körpers in Bewegung zu befriedigen. Die Herzfrequenz steigt, um mit Sauerstoff angerei

chertes Blut in den Körper und in das Gehirn zu pumpen. Und genau so, wie die Muskeln während des Trainings mehr Energie benötigen, beginnt das Gehirn Glukose oder andere Kohlenhydrate zu verschlingen, wenn der Körper in Bewegung ist.

Adrenalin

“In der Vergangenheit hatte niemand eine Ahnung, was das Gehirn mit diesem ganzen Treibstoff macht”, sagt Maddock. Das heißt, bis letztes Jahr, als er und seine Kollegen eine neue Studie im Journal of Neuroscience veröffentlichten…

Sie entdeckten, dass das Gehirn einen Teil dieses Treibstoffs verwendet, um mehr Neurotransmitter zu bilden, die Chemikalien, die Nachrichten im Nervensystem weiterleiten. Maddock und seine Kollegen nutzten MRT, um die Niveaus von Neurotransmittern bei Teilnehmern nach einem Training auf einem Fahrrad zu messen.

Sie fanden heraus, dass die Spiegel von Glutamat und GABA – zwei der häufigsten Neurotransmitter im Gehirn – gestiegen waren. Dieser Prozess könnte erklären warum Training schon länger genutzt wird um Depression zu lindern.

Während des Trainings steigt der Glutamatspiegel in der gleichen Region des Gehirns, in der die Vorräte des Neurotransmitters zuvor bei depressiven Patienten niedrig waren.

Dein Gehirn wird jünger

Studien bei Tieren und Menschen legen nahe, dass Bewegung die Produktion von Wachstumsfaktoren auslöst, die neue Neuronen ernähren und bestehenden Zellen helfen zu überleben.

Strukturelle Veränderungen im Gehirn benötigen in der Regel mindestens ein paar Wochen, um zu einer dauerhaften Verbesserung der Gehirnregionen im Zusammenhang mit kognitiven Aufgaben wie dem Arbeitsgedächtnis zu führen.

Fazit?

Man sollte realistisch sein, was körperliches Training für das Gehirn tun kann. “Sie sollten nicht erwarten, Ihren IQ oder irgendetwas von dieser Art zu erhöhen”, sagt Hillman. “Wir sprechen von kleinen bis mäßigen Effekten, die potenziell großartig für die Verbesserung der Wahrnehmung und der Gesundheit des Gehirns sind.”

Bullock stellt sich zwar eine Zukunft vor, in der Ärzte Bewegung statt Drogen vorschreiben. “Wenn Sie an die Tatsache denken, dass wir eine demografische Alterung und eine hohe Prävalenz von Depressionen haben, gibt es vielleicht einfachere Behandlungen wie Sport.” Ich sage, das mal wieder erwiesen ist, dass Sport gut tut.

 

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