Musik statt Rezept?


Ermöglicht die enge Verbindung zwischen Musik und Medizin bald Musik statt Rezept?
Ermöglicht die enge Verbindung zwischen Musik und Medizin bald Musik statt Rezept?

Musik: Sie bringt uns zum Tanzen, macht uns Freude, bisweilen regt sie uns auf und sie beruhigt uns. Musik gehört zum Alltag, kann aber ebenso ganz besondere Erlebnisse schaffen. Sportler wissen schon lange, dass Musik der absolute Performanceboost ist.

Wissenschaftler können dies sogar belegen: Vor zwei Jahren hat eine Studie an der McMaster Universität in Hamilton erwiesen, dass Probanden, die speziell erstellte Playlisten hörten, konstant höhere Leistungen über ein 30 sec. Übungsintervall erbringen konnten als Probanden ohne Musik. Folgt daraus für kranke Menschen ab sofort Musik statt Rezept?

Fest steht, dass wir Menschen eine ganz besondere Beziehung zur Musik haben. Forschungen beschäftigen sich nun mit der Frage kann der richtige Song uns auch dabei helfen, gesund zu bleiben oder gesund zu werden?

Kann die richtige Playlist heilen helfen? Musik statt Rezept also?

Neurowissenschaftler haben herausgefunden dass spezielle Songs tatsächlich chemische Reaktionen unserem Gehirn auslösen. Diese wiederum verändern, wie wir uns fühlen. Forscher der McGill Universität in Montreal haben fast 40 (!!!) Jahre damit verbracht, Musik und das Gehirn und deren Zusammenhänge zu untersuchen. 2013 haben sie eine beachtliche Studie zu diesem Thema publiziert.

Musik statt Rezept: Der richtige Song steigert die Dopamin Ausschüttung
Musik statt Rezept: Der richtige Song steigert die Dopamin Ausschüttung

Langes Studienergebnis kurz erzählt: Wenn wir Musik hören – hauptsächlich spezifische Tonhöhen und spezielle Melodien – schüttet unser Gehirn den Botenstoff Dopamin aus.

Dopamin ist der gleiche Neurotransmitter, den unser Gehirn ausschüttet wenn wir eine gute Trainingssession, gutes Essen oder Sex haben. Letztes Jahr hat ein Stefan Koelsch, aufbauend auf dieser Studie, einen Zusammenhang bewiesen zwischen einer positiven Stimmung – hervorgerufen durch Musik – und der Fähigkeit Stress zu bewältigen.

Menschen können ohne Musik überleben. Mit Musik jedoch besser.

Auch deutsche Krankenkassen interessieren sich inzwischen für die Wirkung von Musik. So hat man herausgefunden dass Musik Patienten bei Angst und Schmerzen hilft und auch vor einer Operation gute Dienste leistet.

Dies rührt daher, dass Musik die Aufmerksamkeit massiver lenken kann, als es Gedanken allein könnten. Es ist tatsächlich gelungen, bei Patienten mit “Musikgabe” die Gabe von Schmerzmedikamenten zu reduzieren.

Eine lokale Operation unter Musik kann die Stressreaktion mindern. Nick van Bloss, ein erfolgreicher britischer Pianist, leidet er am sogenannten Tourette-Syndrom. Er hat unkontrollierbare Tics, muss z.B. heftig den Kopf schütteln oder mit dem Gesicht zucken.

Er verliert geradezu die Kontrolle über sich selbst – sitzt er jedoch am Klavier, dann entspannt sich sein Körper und er ist von den Tics befreit. Plötzlich ist er Herr über seine Finger und lässt sie leicht und präzise über die Tasten fliegen.

Peter Fuhr, leitender Arzt der Abteilung für klinische Neurophysiologie am Universitätsspital Basel, eine Koryphäe auf seinem Gebiet kann keine medizinische Erklärung liefern.Aber auch er weiß zu berichten, dass ihm dieses Phänomen bekannt ist. “Es ist typisch für Tic-Patienten, dass sie weniger Tics haben, wenn sie sich konzentrieren. Sie können dann die Energie kanalisieren.”

Nicht jede Musik hilft

Interessanterweise kann man beobachten, dass nicht jede Musik die gleiche Wirkung bei unterschiedlichen Menschen erzielt. Jemand der grundsätzlich lieber Rap und Hip-Hop hört, wird niemals ähnlich positiv auf Walzer und Polka ansprechen – Jedenfalls nicht bewusst.

Die Messergebnisse unabhängiger Sensoren kommen nämlich bisweilen zu anderen ergebnissen. Wissenschaftler fangen gerade erst im Ansatz an, zu verstehen wie Musik wirkt. Erwiesen ist ebenfalls, dass Lärm sogar zu deutlichen Beeinträchtigungen von Herz und Kreislauf führen kann.

Wie kommt die Musik in die Blutbahn wenn sie schon so gut wirken soll wie ein Rezept?

Die Reise beginnt damit, dass die Schallwellen sich durch die Luft bewegen und im Mittelohr landen, wo sie das Trommelfell und die Gehörknöchelchen im Mittelohr dazu veranlassen zu vibrieren.

Das Gehirn wandelt diese mechanische Energie in elektrische Energie um und sendet diese elektrischen Impulse dann an den “denkenden Teil des Gehirns” die Großhirnrinde nämlich, die das Denken, die Wahrnehmung und das Gedächnis kontrolliert.

Die Großhirnrinde sendet dann die Impulse in Form von Hormonen an die Zentren des Gehirns, die Gefühle, Erregung, Angst, Freude und Kreativität kontrollieren.

Die folgenden “Anwendungsgebiete” schreibt man der Musik bereits zu:

  • Klassische Musik: Günstige Effekte bei Ängsten, Depressionen und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, führt zur Steigerung von Konzentration, Gedächtnis, Kreativität und Tatkraft, beeinflusst positiv das Immunsystem und ist hilfreich bei Schmerzen, Stress und Schlafstörungen.
  • Rock und Pop: Zählen zu den Muntermachern, wirkt stimmungsaufhellend, motivationssteigernd und bei Müdigkeit anregend, hilft bei guter Laune zu bleiben und nicht so schnell zu ermüden.
  • Jazz: spricht den Intellekt an und bedarf beim Hören einer gewissen Konzentration.
  • Lateinamerikanische Musik: Sehr rhythmisch, macht gute Laune und hebt die Stimmung. Sie ist zur Motivationssteigerung geeignet, besonders um melancholische Augenblicke zu überbrücken und die Lebensfreude zu steigern
  • Geistliche Musik:Nimmt durch ihren spirituellen Hintergrund und die Klarheit der Stimmen, beruhigenden Einfluss auf gestresste Menschen, wirkt meditativ, erhebend und frisch.

Wohin geht die Reise?

Die medizinische Erforschung und Anwendung ist noch in den Anfängen. Auch wenn Krankenkassen schon Interesse bekundet haben, sind doch noch längst nicht alle Mechanismen geklärt. Die Wirtschaft ist der Medizin bereits einen Schritt voraus.

Längst hat sich das Unternehmen Sync der kommerziellen Nutzung von effektiven Playlists angenommen. So werden zum Beispiel zahllose öffentliche Playlist von Spotify ausgewertet und Studien in Auftrag gegeben um gemeinsame Nenner zu finden und schnell personalisierte Playlisten bieten zu können.

Was bleibt festzuhalten?

Bereits die griechische Antike kannte das Prinzip der präventiven Medizin.
Bereits die griechische Antike kannte das Prinzip der präventiven Medizin. Musik statt Rezept also

Bereits die griechische Antike kannte das Prinzip der präventiven Medizin. (Musik als Ausdruck universeller „Harmonie“, Wechselbeziehungen zwischen Körper und Seele).

Vom 9. Jahrhundert an hatte Musik eine feste Position in der Medizin, zuerst in der arabischen Kultur, wenig später auch in ganz Europa.

Mit ihrer beruhigenden oder aufmunternden Wirkung auf Seele und Körper diente Musik seit jeher genauso der Erhaltung der Gesundheit wie der Linderung von Krankheit und zur Unterstützung bei der Therapie (z. B. bei psychischen Störungen, Schmerzen, Schlaflosigkeit,Seuchen).

Wir alle kennen diesen “Zauber der Musik”. Was sagt Ihr? Muss man auch diesen letzten Zauber wissenschaftlich sezieren oder sollen wir die Musik einfach hinnehmen? Ein personalisiertes Album statt Medizin auf Rezept.. Denkbar? Was hilft Euch wobei?

 

 

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Comments 3

    1. Na zuweilen könnte ich ohne das auskommen was man uns im Radio so den ganzen Tag als “Musik” verkaufen möchte. Im Großen und Ganzen würde mir aber tatsächlich auch etwas fehlen ohne meine Musik.

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