Choke Turnover vs. Loaded Tan Tien


Billig Longboard im Test

Longboards waren und sind DER Trend in Sachen Fortbewegung. Immer mehr Hersteller springen auf den Trendzug der langen Rollbretter auf und produzieren eigene Boards.

Vor kurzem haben wir euch ja bereits ein günstiges Exemplar vorgestellt. Alex hat es in unserem Intersport für gerade einmal 109 Euro erstanden. Wir wollen es aber (wie immer) ganz genau wissen. Was kann das Deck? Wie gut sind die Achsen? Rollt es überhaupt und wo liegen die krassen Unterschiede zu einem teuren Deck?

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Das klären wir für euch in unserem großen Longboardvergleich auf. Eins noch: Selbstverständlich sind die im Folgenden aufgezählten Dinge rein subjektiv. Die Geschmäcker sind halt verschieden. Deshalb raten wir euch dazu, euch dennoch ein eigenes Bild zu machen. Besonders bei so wichtigen Entscheidungen wie dem Kauf eines Longboards.

Aufbau der Boards

Damit der Vergleich fair bleibt, haben wir uns 2 etwa gleiche Bretter aus unserem Quiver herausgesucht. Das Turnover von Choke soll also gegen das Tan Tien von Loaded antreten. Beide Boards werden als wahre Tausendsassa beschrieben. Sie fühlen sich also sowohl im Freeriding als auch im Cruising daheim. Das Choke schreibt sich aber zusätzlich noch Downhill auf die Fahne.

Ob das gerechtfertigt ist, werdet ihr selbst entscheiden müssen. Aber dazu später mehr. Beide Boards weisen einen Bidirectional Shape auf, welche sie in beide Richtungen befahrbar macht. Das war es aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten, denn die Unterschiede fangen bereits bei der Achsmontage an. Kommen wir also zunächst zum Deck.

Das Deck
Das Choke wird aus 7 Lagen (kanadischen) Ahorn gepresst und hat einen bidirectional Shape mit Cutouts für die Wheels. Die Achsmontage erfolgt per Top-Mounting, das Deck selbst ist aber ein wenig gedropt. Ihr erkennt das sehr gut, wenn ihr einmal mit den Augen der Linie von Tail zu Nose folgt.

Sehr gut gefällt das (in dieser Preisklasse) ungewöhnliche W-Concave. Viele Decks im Bereich bis 120 Euro weisen entweder nur ein U-Concave oder kein Concave auf. Rocker hat das Board zwar nicht, dafür aber eine minimale Camber. Wozu das bei einem Holzdeck allerdings notwendig ist, erschließt sich uns nicht so ganz.

Die Länge des Bretts liegt mit 38 Inch im guten Durchschnitt dieser Klasse. Flex hat das Board übrigens auch. Zwar ist dieser sehr steif, aber dennoch spürbar. Über das Design lässt sich ja bekanntlich streiten, aber wichtig ist noch folgendes: Das Brett von Choke hat keine Kicks an Nose und Tail.

Kommen wir nun zum Tan Tien. Schon im Aufbau des Brettes machen sich die Unterschiede bemerkbar. Das Tan Tien wird mit vertikal verleimten Bambuskern in Schichtbauweise hergestellt und bekommt außerdem eine Fiberglasschicht auf und unter dem Deck spendiert. Das macht das Brett lebendig und haltbar.

Es ist nicht gedroppt und weist eine deutlich spür- und sichtbare Camber auf. Außerdem wurde bewusst auf ein W-Concave verzichtet, um die Allroundqualitäten zu erhalten. Stattdessen setzt Loaded auf ein nicht so stark ausgeprägtes U-Concave.

Die Achsmontage erfolgt übrigens per Drop-Through, das heißt die Achsen werden durch das Board gesteckt. Damit verlagert ihr den Schwerpunkt etwas weiter Richtung Boden, was euch zusätzliche Stabilität bietet. Das Tan Tien liegt bei der Länge um nur 1 Inch hinter dem Choke. Gerade einmal 38 Inch ist es lang und bringt neben den Minikicks an Nose und Tail einen lebendigen Flex mit.

Die Wheelbase beträgt beim Choke übrigens 29 Inch und beim Tan Tien 27 Inch. Das macht es schon auf dem Papier etwas wendiger. Dazu aber in der Rubrik “Achsen” mehr. Die positive Vorspannung des Tan Tiens ermöglicht es, über weite Strecken zu pumpen, das bedeutet zu skaten ohne die Füße auf den Boden zu setzen. Die Federwirkung des Decks kann dabei mithilfe des Körperschwungs genutzt werden um sich fortzubewegen.

Die Achsen
Natürlich sind Achsen verschieden und das Tan Tien wird erst gar nicht mit Achsen ausgeliefert. Deshalb nehmen wir uns ein Standard Setup zu Hilfe um die Boards miteinander vergleichen zu können. Unsere Wahl fällt dabei auf die Paris 180’s in der V2 -Version.

Beim Choke sind im Auslieferungszustand Randall R2 Nachbauten montiert. Nun kann man Äpfel nicht mit Birnen vergleichen, aber ein paar Fakten wollen wir euch dennoch nennen. Die Choke Achsen sind (wie die Paris auch) aus einem Aluminiumguss hergestellt.

Die Baseplates bei beiden Achsen sind in einem 50° Winkel angestellt, um einen kleinen Lenkradius zu gewährleisten. Die verarbeiteten Bushings haben es aber in sich. Während beim Choke Serienbushings verbaut sind, die einen Härtgrad von mehr als 95A vermuten lassen und fast brutal hart sind, sind die Paris Stockbushings recht weich (<90A) und bieten guten Rebound.

Das macht sich vor allem beim Pumpen und Carven bemerkbar. Beim Choke kommt der Lenkeinschlag zunächst gut voran um dann mit viel Kraft der Füße bis zum Maximum getrieben werden zu müssen. Die verwendeten Washer möchte ich an dieser Stelle auch noch kurz erwähnen, denn auch hier offenbart sich der eklatante Unterschied von teuer zu billig. Bei den Paris Achsen sind die Washer aus fast 2 Millimeter starkem Stahl, mit umlaufender Krempe für Coned- beziehungsweise Barrelbushings.

Auch beim Choke gibt es diese Krempe, die Washer wirken jedoch weitaus fragiler und setzen bereits nach kurzer Zeit Rost an. Das ist auch kein Wunder, denn mit nicht einmal 1 Millimeter Stärke sind sie nicht kräftig genug um die Kraft des Kingpins aufzunehmen und auf die Bushings zu übertragen. Sie verformen sich schnell und der aufgetragene Lack platzt ab.

Die Wheels
Auch bei den Wheels scheiden sich die Geister. Wir haben lediglich eine Rolle mit gleichem Härtegrad gesucht und wurden mit den Sharkwheels fündig. Diese sind mit ihren 70 Millimeter Durchmesser und einem Härtegrad von 78A perfekt geeignet um gegen die Chokewheels anzutreten. Man muss aber gestehen, dass der Contact-Patch (die auf dem Untergrund aufliegende Fläche des Wheels) bei den Shark Wheels um circa 2 Zentimeter kleiner ist, als bei denen des Choke’s.

Ich habe mich übrigens nach Leibeskräften bemüht herauszubekommen, ob die Wheels aus dem Hause Choke nun Center- oder Offset sind. Leider habe ich keine Angaben dazu finden können. Mit Augenmaß würde ich sagen, dass es sich um eine Offset-Rolle handelt. Die Sharkwheels hingegen sind Centerset-Rollen.

Was das nun im Einzelnen zur Folge hat wird sich euch als Anfänger noch nicht erschließen, klären wir aber noch in einem weiteren Beitrag. Beide Rollen sind übrigens sehr griffig und lassen schöne Carves zu. Zum Cruisen reichen sie also aus. Beim Freeriding wäre ich mit einer so weichen Rolle aber nicht zufrieden. Das geht jedoch wieder sehr ins subjektive und muss jeder für sich selbst entscheiden.

Preis/Leistung
In Sachen Preis/Leistung hat das Choke Turnover (je nachdem welche Ansprüche man hat) die Nase vorn. Mit weniger als einem Drittel des Preises, eines kompletten Tan Tiens kommt es einfach sehr gut weg.

Selbst mit Verbesserungen (bessere Kugellager, andere Bushings, andere Washer) liegt ihr immer noch weit unter dem Preis eines Tan Tiens mit Vollausstattung. Trotzdem hat unser Kandidat von Loaded seine Daseinsberechtigung. Die Qualität der Komponenten ist einfach das Geld wert, auch wenn es erstmal eine ganze Menge Kohle ist.

Fazit des Vergleichs: Loaded Tan Tien vs. Choke Turnover

Je nachdem welche Präferenzen man hat kann das Choke ein erster Einstieg in die Welt des Longboardings sein. Trotzdem haben wir da noch einige Bedenken. Die Achsen sind bei weitem nicht so vertrauenswürdig, wie sie für ein Brett mit den ausgewiesenen Disziplinen sein sollten.

Außerdem haben wir grobe Mängel in der Verarbeitung und in der Qualität der verbauten Komponenten festgestellt. Die Lager rollen zwar, aber das nicht besonders gut. Ginge es nach uns, würden wir die Achsen und Kugellager gegen hochwertige Materialien tauschen.

Das Deck (wenn auch durch den merkwürdigen Flex nicht besonders vertrauenerweckend) würden wir behalten und mit den Choke Wheels und neuen Lagern und Achsen zu einem Citycruiser kombinieren. Dafür reicht das Board allemal. Dummerweise muss man dann für die neuen Achsen und die neuen Lager nochmal etwa 80 Euro in die Hand nehmen.

Für insgesamt 185 Euro bis 200 Euro bekommt ihr bereits ein hochwertiges Deck mit guten Komponenten bei eurem Fachhändler des Vetrauens. Wir bei Strongg würden aber dem Tan Tien im genannten Setup den klaren Vorzug geben.

Zwar ist es so um etwa 220 Euro teurer als das Choke, erfüllt aber all unsere Ansprüche und macht uns lange Freude. Solltet ihr vor der Entscheidung stehen, können wir euch nur raten von Billigboards die Finger zu lassen und euch im lokalen Skate Shop beraten zu lassen. Die Jungs wissen genau wovon sie reden und ein guter Händler wird auf eure Wünsche eingehen UND den Geldbeutel dabei berücksichtigen. Denn nicht vergessen: “Wer Billig kauft, kauft Zwei Mal!”

Falls ihr noch weitere Ideen oder Informationen habt, schreibt sie uns in den Kommentaren und greift 4 Strongg-Punkte dafür ab.

Nachtrag: der Teil mit der Kritik an den Achsen wurde entfernt (Naht an der Seite der Achsen), da dieser nach der Veröffentlichung geklärt und widerlegt werden konnte.

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