Kletterhalle verbietet Tubes


Momentan geht ein großer Aufschrei durch die Kletterwelt. Die erste Kletterhalle in Nordrhein-Westfalen verbietet das Sichern des Kletterers mit einem sogenannten Tube. Wie es dazu kam und was die Hintergründe für das Verbot sind, erfahrt ihr hier in unserem Beitrag.

Die unterschiedlichen Sicherungsmöglichkeiten

Das Verbot in NRW kam nicht einfach so zustande, sondern hatte mit der unterschiedlichen Funktionsweise der Sicherungsgeräte und ihrer Risiken zu tun. Deshalb geben wir euch hier einen kurzen Einblick in die Funktionsweise der Geräte, die verboten worden sind und derer, die noch gestattet sind.

  • Nummer 1: Der Tube

Ein Tube ist ein Sicherungsgerät, welches mithilfe des Karabiners und einer speziellen Konstruktion die Bremswirkung nutzt, um den Kletterer zu sichern. Dabei wird das Seil in einer Schlinge sowohl um den Sicherungskarabiner, als auch durch eine Verengung geführt.

Die Verengung sorgt dabei für die Bremswirkung. Es ist wichtig, den Tube immer korrekt zu positionieren (nie falsch herum in den Karabiner einklinken) und das Seil stets nach unten zu führen. Das hat den Grund, dass nur so die Bremswirkung bei einem eventuellen Sturz gewährleistet ist.

  • Nummer 2: Der Autotube

Die Unterschiede zu einem konventionellen Tube sind marginal, machen aber viel in puncto Sicherheit aus. Beim Autotube wird das Seil konstruktionsbedingt so durch das Sicherungsgerät geführt, dass bei einem Sturz der Tube automatisch eine große Bremswirkung erzielt.

Er minimiert durch das Gewicht des Kletterers und das selbstständige Bremsen am Seil, die Fallgeschwindigkeit enorm. Die Funktionsweise des Autotubes gleicht dabei der des Tubes. Auch hier wird durch die Reibung an Karabiner und Tube selbst die Bremswirkung erzielt. Es bleibt aber immer ein gewisses Restrisiko. Warum erfahrt in den Gründen für das Verbot.

  • Nummer 3: Der Halbautomat

Beim Halbautomaten ist die Bremswirkung enorm und steht immer zur Verfügung. Auch hier wird per Reibung gebremst, jedoch wird diese durch ein ausgeklügeltes Seilführungssystem maximiert. Der Sichernde braucht das Bremsseil nur zu führen und kann immer eine Hand am Sicherungsgerät lassen.

Durch die Gewichtskraft des Kletternden und der selbstständigen Bremswirkung ist diese Sicherungsvariante die sicherste unter den Dreien. Zum langsamen Lösen des Seils (beim Abseilen beispielsweise) wird ein Hebel bedient, der die Bremswirkung langsam aufhebt.

Dieser ist federnd gelagert und blockiert das Seil sofort wieder, wenn das Sicherungsgerät losgelassen wird. Man arbeitet also nicht gegen das Gewicht des Kletternden sondern gegen die Federspannung des Hebels. Warum das so sicher ist, erfahrt ihr jetzt.

Gründe für das Verbot
Die Gründe für das Verbot liegen in der Bedienung der einzelnen Geräte. Wenn wir den Halbautomaten mal etwas außen vor lassen ist die Bedienung nämlich recht schnell erklärt. Bei beiden Tubevarianten muss der Sichernde das Seil nachführen.

Nimmt man nun das Führungsseil als Maßstab, ist der Sicherungseffekt nur im letzten Drittel des Halbkreises bis zur Parallelität mit dem Führungsseil gegeben. Sobald die Bremshand weniger als einen rechten Winkel zum Führungsseil beschreibt ist potentielle Lebensgefahr geboten.

Das passiert leider jedes mal beim Nachführen des Seils. Bei einem Autotube ist diese Gefahr des Seildurchrutschens zwar immer noch gegeben, minimiert sich allerdings auf einen Winkel von weniger als 10° zum Führungsseil.

Das bedeutet, dass nur in einem sehr kleinen Fenster Raum für Fehler ist, die fatale Folgen haben können. Bei den Halbautomaten blockiert das Seil von vornherein, was ein Durchrutschen fast unmöglich macht.

Die innere Konstruktion dieser Geräte ist so ausgelegt, dass sie das Gewicht des Kletterers nutzen, um das Seil einzuklemmen. Ich muss als Sichernder also gegen den Seildruck und nicht gegen das Gewicht des Kletterers arbeiten.

Immer nur dann, wenn Seil nachgegeben werden soll, besteht die Gefahr des Durchrutschens. Da aber die Bremsrillen federnd gegen das Seil gedrückt werden, ist sofortige Bremswirkung nach loslassen des Hebels die Folge.

Wo bekomme ich gute Kletterausrüstung?
Fast jeder Sportversand wie Sportscheck oder Bergfreunde hat Sicherungsgeräte und Kletterzubehör im Angebot. Auch bei anderen großen Versandhändlern wie Amazon werdet ihr mit Sicherheit fündig.

Eine weitere Möglichkeit wäre, sich bei einem Shop seiner Wahl persönlich beraten zu lassen. Der Mont-K in Berlin wäre dafür eine gute Adresse.

Was kostet mich gutes Material?
Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten, denn es kommt immer darauf an, für welches Sicherungssystem ihr euch entscheidet. Tubes sind ab etwa 16 Euro zu haben, während Halbautomaten wie das Petzl GriGri schon mal mit 80 Euro zu Buche schlagen können.

Autotubes wie das Click Up von Climbing Technology liegen irgendwo dazwischen. Der Preis sollte beim Ausüben des Klettersports aber keine Rolle spielen. Immerhin hängt an eurem Sicherungsgerät buchstäblich ein Menschenleben. Und das ist mit nichts aufzuwiegen.

Fazit

Selbstverständlich könnt ihr nun sagen, dass euch niemand vorschreiben kann, wie ihr zu sichern habt und das eine fahrlässige Bedienung selbst den sichersten Halbautomaten zur Gefahrenquelle macht. Da aber immer mehr Sportler den Einstieg in die Kletterwelt suchen und es immer weniger geschultes Personal gibt, ist das Verbot nur ein logischer Schritt.

Es sollen auch Einsteiger die Möglichkeit bekommen in der Halle oder am Fels mit wenig Risiko klettern zu können. Auch die Fähigkeit sein Klettergerät perfekt bedienen zu können, schützt nicht vor einem Sturz. Überdenkt also eventuell nochmal eure Meinung zum Thema und schafft euch gegebenenfalls ein neues Sicherungsgerät an.

Was denkt ihr darüber? Wie sicher ihr? Lasst es uns in den Kommentaren wissen. Jeder eurer Kommentare ist uns 4 Strongg-Punkte wert. Kommentiert fleißig und sagt uns eure Meinung.

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