Interview mit MARIE LANG, 11-fache Kickbox-Weltmeisterin


Marie Lang Interview

Es passiert nicht oft, dass ich Interviews, die jemand anderes geführt hat auf strongg.com veröffentliche. In diesem Fall mache ich allerdings eine Ausnahme. Denn die 11-faceh Kickbox-Weltmeisterin Marie Lang hat sich in einem wirklich ausführlichen Interview, den Fragen von Ulrike Luckmann gestellt.

Marie Lang InterviewWeshalb ich glaube, dass euch das Interview interessieren könnte? Ganz einfach, Marie Lang ist eine absolute Ausnahmesportlerin und hat darüber hinaus einiges zu Kickboxen, dem Training und der Ernährung zu erzählen.

Vielleicht ist es ja tatsächlich auch interessant für euch. Wenn euch das Interview gefallen habt, Ihr künftig gerne weitere Interviews dieser Art auf strongg.com sehen wollt, dann lasst es mich in den Kommentaren wissen.

Natürlich freue ich mich über jegliches Feedback, wenn Ihr dem Interview nichts abgewinnen könnt, dann sagt es mir ebenfalls!

Auf geht’s – das Interview mit Marie Lang, 11-fache Kickbox-Weltmeisterin

Marie Lang Interview

Marie, wo liegt der Reiz beim Kickboxen für Dich? Was liebst Du daran, in den Ring zu steigen und zu kämpfen?
Es ist ein tolles Gefühl im Ring zu stehen, auch wenn ich jedes Mal vor einem Kampftag unglaublich aufgeregt bin und mich frage, warum ich das eigentlich mache. Doch das ist nur ein ganz kleiner Moment, danach kommt das Megagefühl im Ring zu stehen. Unübertroffen. Und jede Gegnerin ist eine Herausforderung. Immer anders. Ich liebe das Gefühl, dass so viele Leute mir zuschauen, mich anfeuern, hinter mir stehen. Dass ich sie begeistern kann. Nach jedem Kampf kommen völlig fremde Menschen und sagen mir Sachen wie: „Das ist so cool, was Du machst und Du bist so gut!“. Ich bekomme so viel Anerkennung und Bestätigung. Das ist echt schön.

Du hattest im September 2017 den 11. Titelkampf und standst zum 30. Mal im Wettkampf im Ring. 30 Kämpfe – 30 Siege, wird das nicht langsam langweilig?
Jede Vorbereitung, jeder Kampf läuft anders ab. Ich habe jedes Mal eine neue Gegnerin. Jede hat einen anderen Stil und ich muss mich anders vorbereiten, genau auf ihre Technik einstellen. Das ist das Interessante daran, wirklich jedes Mal komplett neu. Für die Vorbereitung analysiert mein Trainer Mladen Steko die Gegnerin. Wir setzen uns zusammen und besprechen die Strategie, schauen uns die Gegnerin in Videos an. Sechs Wochen vorher beginnt die gezielte Vorbereitung für den Kampf.

Kickboxen ist ein harter Sport, hast du auch eine zarte, feminine Seite? Was bedeutet Frausein für dich?
In vielen Bereichen habe ich zwei Seiten: einerseits das vermeintlich „Männliche“, beim harten Kampfsport, andererseits das Weibliche. Das ist eher meine persönliche, private Seite. Führer war ich eine der wenigen im Kampfsport, die eine pinke Trainingshose getragen haben. Viele haben das belächelt und gesagt: „Hey, das ist doch voll Mädchenkram“. Ja, aber ich liebe diesen Gegensatz und bin gerne Frau. Es ist toll, wenn ich mich im Training oder beim Kampf total auspowern und das ich trotzdem weiblich bleiben kann, mich feminin kleide, schminke, schick mache, High Heels trage. Das ist der Moment, in dem die Leute mir sagen: “Krass, das sieht man dir gar nicht an.“ Ich finde es echt gut, denn es ist besser, wenn man mir die Kampfmaschine nicht ansieht und ich eher unterschätzt werde. Man merkt schon früh genug, wenn ich in den Ring steige, zu was ich im Kampf fähig bin. Das reicht doch.

Wie sind in Deiner Partnerschaft die Rollen verteilt? Wer hat da die „Hosen an“?
Ich glaube, wir sind sehr ausgeglichen. Ich kann zum Beispiel gar nicht gut kochen, mein Freund dagegen sehr gut. Ich hasse es und finde es total langweilig, zwei Stunden lang etwas zu kochen, was man dann in zehn Minuten isst. Das übernimmt er. Ich mache andere Sachen.

Man sagt dir nach, dass du im Ring vom Engel zum Biest wirst. Wie schaffst Du es, auf Kommando auf Biest umzuschalten?

Das klappt nur im Wettkampf. Im Training habe ich damit auch eher Probleme, wenn ich meine Sparring- oder Trainingspartner gut kenne. Wir quatschen in der Umkleide, gehen abends aus, sehen uns oft, mögen uns. Dann fällt es mir extrem schwer, im Ring zu sagen „OK, ich habe sie getroffen und setzte grad noch mal an derselben Stelle einen fetten Schlag drauf“. Im Alltag bin ich oft etwas zu nett, doch beim Kampf kann ich das komplett ausschalten. In der Regel kenne ich die Gegnerin ja auch gar nicht und will sie vorher auch nicht kennenlernen und vielleicht nett finden.

Gut ist, wenn sie mir total unsympathisch ist und ich keine Beziehung aufbauen kann. Beim Boxen hilft das groß-schnäuzige Gehabe vor einem Kampf. Damit baut man ein Feindbild auf. Die letzte Gegnerin sagte, sie zerlegt mir meine Beine in Einzelteile. „Na,“ denke ich dann, „die soll mal kommen.“ Aber es hat auch schon Gegnerinnen gegeben, die vorher zu mir gekommen sind und mir spontan mega-sympathisch waren. Das gefällt mir nicht, denn ich will vor dem Kampf auf Distanz bleiben. Danach kann man sich gerne unterhalten.

Wie lange brauchst Du, um Dich innerlich auf einen Kampf einzustellen und Deine Konzentration zu fokussieren?
Etwa eine halbe Stunde. Es ist die Phase, in der ich am Kampftag von nervös auf konzentriert umschalte. Sobald mein Trainer in die Umkleide kommt, bin ich tiefenentspannt. Er sagt „So, bist du warm? Ok, dann bereiten wir uns jetzt vor.“ Es beruhigt mich, einfach weil er da ist. Dann weiß ich genau, gleich geht´s los und ich bin super vorbereitet. Von dem Moment an bin ich total konzentriert und fokussiert.

Welche Rolle spielt Dein Trainer für Dich?

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Wir sehen uns jeden Tag mindestens zwei Mal. So oft sehe ich meine beste Freundin nicht. Er kennt mich mittlerweile so gut, weiß genau, wann ich gut, wann ich schlecht drauf bin und vor allem, wie er in jeder Situation mit mir umgehen muss. Das ist ja bei jedem Menschen anders, vor allem, wenn es mal nicht so gut läuft. Es gibt Frauen, die mit Lob motiviert werden können, andere konkrete Kritik brauchen. Wenn mir jemand im Training sagt, das war jetzt nicht gut, Du musst das so oder so machen oder mich anranzt, weil ich etwas falsch gemacht habe, baue ich nur noch mehr ab. Dann klappt gar nichts mehr. Mein Trainer baut mich positiv auf, sagt Sachen wie „Das war super, perfekt, weiter so, versuch mal das noch,“ steigere ich meine Leistung mehr und mehr.

Es hat aber auch etwas gedauert, bis er sich so auf mich eingestellt hat und man wusste wie der andere tickt. Im Nachthalt dann bei der Analyse des Kampfes ist Kritik an mir vollkommen in Ordnung.

Du hast zwei Berufe, die gegensätzlicher nicht sein könnten: Modedesignerin und Kickboxen. Das ist eine ungewöhnliche Kombination. Was hat dich gewogen, das eine und das andere zu werden und in welcher Reihenfolge?
Schon als Kind hatte ich diese Leidenschaft für Mode und habe mir schon sehr früh eigene Sachen geschneidert. Am Anfang nur mit der Hand, mit Nadel und Faden. Mit Kickboxen habe ich 2003 begonnen, nach 2 Jahren hatte ich meinen ersten Wettkampf. Erst 2005. Irgendwann habe ich mich entschieden, Modedesign bei der AMD in München zu studieren. Ich bin sehr geduldig und kann gut kleine, feine Sachen mit der Hand nähen. Ich liebe das.

Ich liebe aber auch, abends ins Training zu gehen und mich komplett auszupowern und alles andere zu vergessen. Dafür ist Kickboxen super, denn es ist unmöglich, parallel an irgendwas Anderes zu denken. Man schaltet komplett ab. Beide Berufe sind für mich perfekter Ausgleich: Tagsüber volle Konzentration für Kreativität und Modedesign, abends beim Kickboxen komplett abschalten. Aber seit einem guten Jahr bin ich in erster Linie Profi-Kickboxerin. Da war zu wenig Zeit für meine zweite Leidenschaft.

Man hat dich schon als Modell auf dem Catwalk gesehen. Was ist Dein berufliches Ziel, wenn Du mit dem Kickboxen aufhörst. Wirst Du in die Welt der Fashion wechseln?

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Auf den Laufsteg wahrscheinlich eher nicht, aber in die Modewelt auf jeden Fall. Mein Herz hängt daran, auch wenn Mode im letzten Jahr zu kurz gekommen ist. Es geht bei mir nie nur das eine oder das andere. Als ich in München Modedesign studiert habe, konnte ich nur wenig trainieren. Das hat mir gefehlt. Jetzt, wo ich Profi-Kickboxerin bin, fehlt mir, mit den Händen zu arbeiten, kreativ zu sein, etwas zu schaffen. Deshalb arbeite ich jetzt bereits an meiner eigenen Sportkollektion und kann ich mir gut vorstellen, dass ich zurück in die Mode gehe, wenn ich mit dem Sport aufhöre.

Seit kurzem hast Du einen neuen Sponsor, Nilit weltgrößten Hersteller von Nylon 6.6. Er bietet Faserspezialitäten, mit denen große Fashionmarken arbeiten. Ist das ein erster Schritt in Deine modische Zukunft?
Das Angebot von Nilit anzunehmen hatte für mich konkret zwei Gründe: Erstens brauche ich als Hochleistungssportlerin sehr gute Sportbekleidung, die meinen Körper beim Training und vor allem vor, während und nach den Kämpfen unterstützt, so dass ich Höchstleitung bringen kann. Da ist beispielweise gutes Feuchtigkeitsmanagement wichtig, ein angemessenes Maß an Elastizität, Stoffe aus Fasern, die vitalisieren, kühlen, die Regeneration in den kurzen Kampfpausen unterstützen. Nilit hat eine breite Palette solcher Faserspezialitäten.

Als das Unternehmen auf mich zukam, war es tatsächlich sehr inspirierend für mich, wieder mehr in Richtung Modedesign zu gehen. Ich habe die Möglichkeit bekommen, eine erste kleine Sportkollektion mit genau diesen Faserfeatures zu entwickeln. Sie wird unter dem Label „royal thirteen“ designed by Marie Lang, powered by Nilit®, produziert von Edmund Lutz GmbH & Co. KG. Meine Kollektion wird ab November 2017 im Online Store bei Otto.de erhältlich sein, später auch im stationären Fachhandel. Als Modedesignerin finde ich Design wichtig, als Sportlerin Funktion. Ich finde es cool, dass ich meine Entwürfe selbst testen kann. Wenn ich Teile beim Training tragen, merke ich sofort, ob mich als Sportlerin etwas stört, ob noch etwas geändert werden muss oder man etwas verbessern kann. Meine Entwürfe sind authentisch nah am Sport, brauchen also gute Funktion, sonst macht Sportbekleidung keinen Sinn. Das ist mir persönlich wichtig.

Als Sportlerin hast Du alles erreicht, was möglich ist. Wie sieht Deine Vision für die Zeit danach, also Deine Zukunft als Designerin und was für Kollektionen möchtest Du kreieren?

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Irgendwann möchte ich mein eigenes Label „Marie Lang“ haben. Noch bin ich mir nicht ganz sicher, in welchem Segment. Bisher habe ich viel im Jeans-Bereich gearbeitet, war bei Joop! Casual und Herrlicher. Das war meine Welt, denn ich liebe Jeans und habe jede Menge zuhause. Ich könnte mir vorstellen, dass ich in Richtung Denim und Jeans gehe. Auch hier kann man mit moderen Fasern unglaublich viel machen.

Was ich auch mache, es soll auf jeden Fall hochwertig sein, kein Mainstream. Dabei möchte ich gern sportliche Frauen ansprechen und mit schönen Stoffen arbeiten, die sich gut auf der Haut anfühlen. Von Nilit´s Faserspezialitäten bin ich deshalb so begeistert und möchte auf jeden Fall in Zukunft mit denen arbeiten, weil es für alle Bereiche Fasern auf höchstem Niveau gibt, Goße italienische Labels arbeiten mit denen. Zum Beispiel das Material Black Diamond ist optisch so schön, dass man in jeden Style einen außergewöhnlich Fashiontouch bringen kann.

Meine Vision ist, eine neue Verbindung von Sport und High Fashion schaffen. Als Sportlerin und Modedesignerin schlagen zwei Seelen in der Brust. Als Sportlerin nimmt man mir die Kompetenz für Funktion ab, da bin ich anderen Designern sicher um eine Nasenlänge voraus und habe einen ganz anderen Ansatz. Ich verstehe so viel von Funktion, dass ich nur mit den besten Fasern, Stoffen und den besten Partnern arbeiten will. Darum bin ich auch den Sponsorvertrag mit Nilit Fibers eingegangen. Das Unternehmen ist einer der führenden Hersteller von Funktionsfasern; die Qualität liegt auf höchstem Niveau. Sie bieten sowohl Fasern für Performance Sportbekleidung an als auch Fasern, die Fashionstoffe mit besonderen Funktionen ausstatten. Damit kommen sie den veränderten, sehr anspruchsvollen Erwartungen junger Konsumenten entgegen. Genau da liegt der Fokus, den ich als Modedesignerin erfüllen möchte.

Du boxt in der Klasse -60 und -62,5 Kilogramm. Das ist bei 176 cm Körpergröße eine große Leistung. Wie schaffst Du es, so konsequent dein Gewicht zu halten?
Ich trainiere viel. Aber voll durchtrainiert zu sein ist nur die eine Seite. Dazu kommt die Ernährung. Ich esse ziemlich gesund, gönne mir aber auch immer mal wieder etwas zwischendurch. Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, ich esse keine Schokolade. Ich glaube, am wichtigsten ist, dass man immer weiß, was man isst. Ich biete ein 22-Tage Zucker-Detox Programm an, in dem Menschen sich damit auseinandersetzen, in welchen fertigen Produkten Zucker ist. Wenn ich Schokolade esse, ist das eine Entscheidung. Dann akzeptiere ich bewusst Zucker. Doch generell vermeide ich alle Gerichte und Nahrungsmittel, in denen versteckter Zucker ist.

Ist Deine Ernährung eher in Richtung Low Carb und mehr Eiweiß oder auf welches Ernährungsprinzip setzt Du? Kannst Du das jedem Menschen empfehlen?
Bevor ich Profisportler wurde, habe ich Low Carb getestet. Anfangs ging das bei mir super und ich habe durchschnittlich pro Woche ein Kilogramm Gewicht verloren. Also in sechs Wochen sechs Kilo weg. Vor einem Kampf muss ich mein genaues Kampfgewicht haben. Wenn das beim Wiegen nicht stimmt, darf ich nicht in den Ring steigen. Seitdem ich so viel Sport mache, funktioniert Low Carb nicht mehr. Da verliere ich keine 100 Gramm, wenn ich kohlehydratfrei esse.

Das ist total krass, als ob mein Körper sagen würde: „Panik! Ich mache jetzt gar nichts mehr“.  Ich habe das immer mal wieder versucht, wenn ich noch ein bis zwei Kilo bis zum Wiegen loswerden musste. Heute mache ich es so, dass ich mittags ganz normal Kohlenhydrate esse, Kartoffeln, Nudeln oder so, abends gibt es keine Kohlehydrate mehr.
Ich esse mich mittags immer richtig satt. Abends kommt es vor, dass ich nach dem Training gar keinen Hunger mehr habe. Und wenn doch, dann esse ich etwas Leichtes. So komme ich gut zurecht. Ich achte auch auf die Essenszeiten: Ich trainiere um 19.00 Uhr. Also muss ich früh genug noch was Kleines essen, damit ich genug Kraft habe. Hungrig trainieren ist nicht gesund. Beim Training darf das Essen auch nicht im Magen liegen. Es kann sein, dass ich einen Tritt in den Magen bekomme. Das kommt nicht gut! Abendessen gibt es erst nach dem Training, wenn überhaupt. Dann spät, so um 20 oder 21 Uhr. Nicht unbedingt gesund, aber das lässt sich leider nicht ändern.

Würdest Du mit Deiner heutigen Erfahrung Frauen oder jungen Mädchen empfehlen, Kickboxen als Sport zu machen?
Auf jeden Fall! Auf einer Seite steht der Fitness-Aspekt: Man trainiert beim Kickboxen komplett alle Muskelgruppen. Ich glaube, es gibt keine Sportart, bei der man so vielfältig trainiert. Das ist natürlich perfekt. Außerdem macht Kickboxen wahnsinnig viel Spaß. Ich persönlich finde Trainieren im Fitnessstudio eher langweilig. Da geht die Zeit für mich nicht rum und ich denke: Ok, jetzt muss ich die Übung noch machen, und die, und die und die Minuten ziehen sich zäh wie Kleister dahin. Beim Kickboxen schaust Du auf die Uhr und denkst: „krass, schon eine halbe Stunde oder schon eine dreiviertel Stunde rum. Fast schade. Es ist wie ein Spiel und genau das liebe ich am Training.
Die andere Seite von Kickboxen ist auch für die Psyche klasse: Frauen werden sehr viel selbstbewusster und bekommen ein gutes Körpergefühl. Als ich anfing, war ich 16 Jahre alt, ziemlich schüchtern, sehr zurückhaltend und habe mir alles Mögliche gefallen lassen.

Kickboxen hat mir Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein gebracht. Für Frauen und Mädels die schüchtern sind, ist das der ideale Sport!

Mal ehrlich, musstest Du Dich schon mal wehren? Ist dir schon mal die Hand ausgerutscht und hast Du einem eine reingehauen, als er Dich geärgert hat?
Ja, es gab ganz früher mal eine Situation, in der ich mich wehren musste. Meine Botschaft an andere Frauen ist nicht: „schlagt jemanden auf der Straße zusammen“, aber es ist wichtig zu wissen, dass man als Frau nicht wehrlos ist und auch zuschlagen kann. Ich war mal auf einer Feier und ein betrunkener Kerl kam auf mich zu, packte mich und wollte mir mit der Zunge durchs Gesicht lecken.

Es kam wie ein Reflex, voll automatisch. Ich habe ihn mit der Hand am Kragen gegriffen, zur Seite geschleudert und eine reingehauen. Nicht schlimm, aber er war so perplex und ist wie ein begossener Pudel abgezogen. Ich war selbst ganz erschrocken. Das ist zum Glück eine Ausnahme gewesen, eben nur dieses eine Mal. In der Regel strahlt man als Kickboxerin eine Kraft aus, die solche Typen abschreckt. Man kommt auch gar nicht in eine ängstliche Opferrolle, was einer Frau spät abends alleine auf dunklen Waldwegen auch mal passieren könnte. Das Bewusstsein, das man sich wehren kann, ist ein großer Benefit des Sports.

Mädchen in unserer Gesellschaft lernen, dass sie sich nicht schlagen dürfen. Jungs dürfen das. Beim Kickboxen überwindet man das als Frau. Aber im Alltag setzt man das nur dann ein, wenn es gar nicht mehr anders geht. Ich gehe ja nicht durch einen Laden und sage „Hey Du, das ist mein Paar Schuhe. Ich habe sie als erste gesehen“ und haue der anderen eine rein. Aber es gibt Situationen, da fühle ich mich sehr sicher, zum Beispiel, wenn ich abends alleine nach Hause gehe. Mein Freund sagt immer: „Ich mache mir keine Sorgen um Dich, Du kannst Dich so gut wehren“

Kannst Du beschreiben, wie Dein persönliches Kickbox-Training aussieht?

Marie Lang Interview
Bei mir als Profi sieht Training natürlich anders aus, als wenn man Kickboxen nur als Fitnesssport betreibt. Meine Vorbereitungszeit auf einen Kampf beträgt ungefähr sechs Wochen. Ich bin vorher schon fit und starte sehr strukturiert. Das bedeutet: ich trainiere elf Mal die Woche, morgens und abends je eine Einheit, am Samstag eine, Sonntag habe ich frei.

Mein Training ist unterschiedlich aufgebaut: Kondition, Krafttraining, Sparringeinheiten mit Gegner im Ring, Boxeinheiten mit Trainer und Schlagpolster. Der Trainer erarbeitet die richtige Reihenfolge, sehr abwechslungsreich und aufeinander aufbauend. Es wäre blöd, wenn ich morgens wie wild Krafttraining mache und abends dann noch Sparring habe. Dann wäre ich total platt.

Wenn eine Frau oder ein junges Mädchen mit Kickboxen anfängt, wie sieht dann das Training aus?

Unser Studio ist sehr groß. Man beginnt in einem separaten Raum, wo ein Trainer einem alles zeigt: die Führhand, die Schlaghand, der Haken, die Kicks. Hier bei uns im Steko´s Sportcenter in München, wo ich auch trainiere, wird man mehrere Stunden lang separat unterrichtet. So lange, bis man jede Bewegung sicher beherrscht. Danach gibt es Gruppentraining. Das bedeutet, genau vorgegebene Kombinationen mit einem Partner oder Sparring mit Schutzausrüstung, damit nichts passiert. Ich finde toll, dass es hier inzwischen so viele Frauen gibt. Wichtig ist, dass man nicht sofort in den Ring steigen muss, denn nicht alle Frauen wollen kämpfen. Das kann jede selbst entscheiden.

 

Bildquellen

  • Marie Lang Boxhandschuhe: Michaels Stein
  • Marie Lang Liegestütze: Michaels Stein
  • Marie Lang Profilbild, Boxpose: Michaels Stein
  • Marie Lang Engel: Michael Wilfling
  • Marie Lang, vor dem Spiegel: Michaels Stein
  • Marie Lang Nahaufnahme: Michaels Stein
  • Marie Lang Interview Bild 1, Ring: Michaels Stein

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