Aus Fremden Freunde machen…


Wir sind nicht perfekt, aber die meisten Mitglieder unserer Spezies sind es tatsächlich wert, dass man wenigstens den Versuch unternimmt, sie sich zum Freunde zu machen.
Wir sind nicht perfekt, aber die meisten Mitglieder unserer Spezies sind es tatsächlich wert, dass man wenigstens den Versuch unternimmt, sie sich zum Freunde zu machen.

Wer viel reist bekommt einen guten Einblick in ein breites Spektrum der Menschen auf diesem Planeten. Wir sind nicht perfekt, aber die meisten Mitglieder unserer Spezies sind es tatsächlich wert, dass man wenigstens den Versuch unternimmt, sie sich zum Freunde zu machen. Um mich mit fremden Menschen bekannt zu machen, folge ich meist intuitiv den gleichen Regeln.

Wenn ich mit Kim Jong Un 18 Stunden lang in einen Bus gepfercht wäre, könnten wir vielleicht Freunde werden.

PS: Ich sage nicht, das ist eine gute Sache, aber es ist eine Sache!

Hochgerechnet habe ich jetzt wahrscheinlich Jahre damit verbracht, beengte Verhältnisse mit fremden Menschen zusammen zu ertragen. Kreuz und quer mit dem Bus durch Venezuela – mit mehr Backpackern als Sitzplätzen. In einem Nachtwagenabteil vollgepackt mit Skandinaviern mal stehend, mehr liegend, halb in Löffelchenstellung durch Polen, die Slowakei und Ungarn nach Österreich. In London mit 8 Japanern die Nasszelle geteilt, die gleichzeitig Toilette und Dusche des Zimmers darstellte. In meiner WG-Zeit in Berlin mit Israelis, brasilianischen Ballerinen, deutschen Öko-Kriegern und Kiwi-Buschpiloten verbracht.

Wie ich es schon sagte, niemand ist perfekt, aber selbst die brenzligste Geschichte möchte ich im Nachhinein nicht missen. Auch wenn nicht jede geschlossene Freundschaft die Dauer der Reise überstanden hat, so waren es doch angenehme Stunden oder Tage mit Menschen die mir nicht wie Fremde vorkamen, sondern wie Freunde.

Dank facebook und Video – Chat ist es mir tatsächlich möglich einige der geschlossenen Freundschaften über die Zeit zu erhalten.

Meine “Regeln” für die Begegnung mit Fremden.

Zuerst warte ich niemals damit, mich vorzustellen. Die unangenehme Situation des fremd Seins wird im Laufe der Zeit nur noch schlimmer, also stelle ich mich vor, während ich noch die offensichtliche Entschuldigung des neu Dazugestoßenen habe. In Flugzeugen, Zügen und Mitfahrgelegenheiten gilt, sag einfach mal Hallo am Anfang – es wird später nur noch schwieriger. Wenn die Reisebegleiter nicht reden wollen, wirst du es schon merken.

Ich habe ebenfalls gelernt, dass es unentbehrlich ist, ein singbares Lied im Petto zu haben. Es ist andernorts durchaus normal, dass irgendwo ein Mikrofon auftaucht, sei es auf einer chilenischen Busfahrt oder auf der Übernacht-Fähre nach Schweden. Alle – vom chinesischen Rafting-Reisenden bis hin zum US-Amerikanischen Fräulein –  werden umgehend in ein herzliches Karaoke verwickelt.

Im Rest der Welt ist: “Ich kann nicht singen” offensichtlich genauso als würde man sagen: “Ich kann nicht essen.” Mit anderen Worten, es ist keine Entschuldigung.

Mein Tipp: Nimm für Deinen Beitrag ein kurzes Lied ( “It’s Not Unusual“, von Tom Jones, 1:59), und stelle sicher, dass Du textfest bist. (Lyrics)

Essen teilen – nichts schafft mehr Gemeinschaft!

Schön wenn man jemandem ein Brot zur Wurst anbieten kann oder ein Glas Wein angeboten bekommt, nachdem man zuvor seine Schokolade geteilt hat. Liebe geht durch den Magen – das Gleiche gilt für Freundschaft. Das angebotene Essen mag aussehen wie Alien-Glibber – sag’ dennoch “ja” zur Ziegenleber! Denk dran was du hinterher berichten kannst.
Peruaner spendieren zum Geburtstag übrigens gerne Bier. Sei gewapnet!

Während übrigens niemand einen Besserwisser mag, wird man tatsächlich öfter von Fremden zum Essen eingeladen wenn man wirklich etwas Nützliches weiß oder etwas Interessantes berichten kann. Auch hier lässt sich vorsorgen: Lies qualitative Bücher über den Ort den Du besuchst, über die Geschichte die Kultur. Das schließt übrigens ein Wörterbuch mit ein!

Nur sechs Worte der Landessprache: Hallo, Bitte, Danke, Ja, Nein und Wo können Dich sehr weit bringen.Die Aussprache lässt sich heutzutage ja wundervoll durch YouTube Videos erlernen.
Was bringt einen hier weiter? Nicht etwa lässt sich damit der Großteil der täglichen Konversation bestreiten. Oftmals reicht allein die Geste um das Wohlwollen eines Einheimischen zu gewinnen, der nun pötzlich doch Englisch sprechen kann.

Menschen die sich für etwas anderes begeistern können als sich selbst, werden übrigens um einiges attraktiver wahrgenommen. Nur immer den Urlaub “von der Stange” zu buchen ist nicht sehr aufschlussreich und schafft auch keine interessanten neuen Freunde.

Gehe ruhig an Orte an die niemand geht – oder jedenfalls nicht die Massen. Tauche in die Wildnis ein, auch wenn das bedeutet mal alleine über einen orientalischen Markt zu schlendern. Meistere Schwierigkeiten mit anderen Menschen – ob es sich um Hochseilgarten handelt, ein Grenzübergang in der Nacht, oder sich in Szombathely (Ungarn) verirren und gemeinsam doch wieder zum Bahnhof zu finden.

Dieser Nervenkitzel birgt sogar romantisches Potential. (Siehe die berüchtigten Brückenexperimente, Beitrag 1974 im Journal of Personality and Social Psychology, “Beweise für erhöhte sexuelle Anziehung unter Bedingungen erhöhter Angst.” )

Unangenehme zwischenmenschliche Situationen auflösen.

Viele Campinglager, Angelausflüge und Segeltörns werden von Fehden, gestörter Gruppendynamik und “kreativen” Differenzen zerstört. Eine Zerreißprobe für langjährige Freunde und auch für Reise-Freundschaften heikel. Aus einem kritischen Gespräch herauszukommen, ohne einen Streit vom Zaun zu brechen und somit die Dauer des restlichen Reise zu verderben ist schwierig. Schließlich befindet man sich oft in Situationen in denen man gegenseitig aufeinander angewiesen ist und sich aufgrund der räumlichen Einschränkungen einfach ertragen muss.

Folgendes gilt immer: Beiß Dir auf die Zunge bei den Themen Religion, Politik und Hygiene! Notlügen wurden genau für diesen Moment erfunden. Sei höflich, entschuldige Dich wegen dringender Bedürfnisse und biete an, später das Thema wieder aufzunehmen. Ein Später gibt es natürlich nicht weil es das kritische Thema und gegebenenfalls den Gesprächspartner zu meiden gilt.
Aber kein Grund zur Sorge – es wird immer genug Fremde geben mit denen man Freundschaft schließen kann.

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