Dem Stimmungstief aktiv begegnen


Stimmungstief

Es ist schwer, Leistung und Wohlbefinden ständig aufrecht zu erhalten. Hurrikans, Amokläufe, Terror, Altersarmut, globale Instabilität – ich bezweifele dass ich der Einzige bin, dem die ständigen Hiobsbotschaften auf das Gemüt schlagen. Die Frage ist also, wie wir dem Stimmungstief entkommen können. Muss es immer gleich Psychotherapie sein?

“(…) Der Lachende
hat die furchtbare Nachricht
nur noch nicht empfangen.”

B. Brecht

Aktiv heraus aus dem Stimmungstief

In schwierigen Zeiten kann Selbstfürsorge schnell aussehen wie Selbstgefälligkeit. Klar: Inmitten so vieler Tragödien fühlt sich der Gedanke, eine Wanderung zu machen oder zu laufen – und, Gott bewahre, es auch noch zu genießen – ein wenig falsch an.

Aber wem ist geholfen wenn man ständig im Tief ist? “Wenn man von Traurigkeit oder Angst überwältigt ist, ist es unwahrscheinlich, dass produktive Maßnahmen ergriffen werden, um die Situation zu verbessern”, sagt Kristin Keim, eine klinische Psychologin, die sich auf die Behandlung von Depressionen bei Sportlern spezialisiert hat. Nur wer also nichts unternimmt um aus dem Stimmungstief zu kommen, der gerät nur immer tiefer in den Strudel negativer Gedanken.

Lautet mein Ratschlag also, den Kopf in den Sand zu stecken und alles was mit der Welt nicht stimmt völlig zu ignorieren? Ein bisschen Sport und alles wird gut? Nein, denn auch ohne Depression oder Herbsttief: Wer sich um die eigene geistige Gesundheit kümmert, ist widerstandsfähiger und kann sich besser um andere und die Gemeinschaft kümmern. Auch wenn es sich so anfühlt, als müsstet Ihr Euch zwingen den unten aufgeführten Ratschlägen zu folgen – und das könnte passieren -, fühlt Ihr Euch hinterher sicherlich besser.

Beweg Dich

Es gibt eine große und wachsende Anzahl von Beweisen dafür, dass Bewegung die Symptome von Depressionen und Angstzuständen lindern oder auch sogar ganz beseitigen kann. “Für die meisten Menschen ist Bewegung so wirksam wie verschreibungspflichtige Medikamente”, sagt John Ratey, Professor für Psychiatrie an der Harvard Medical School und Autor.

Obwohl jede Bewegung von Vorteil ist, sagt er, dass Sportarten wie Laufen, Wandern, Radfahren, Schwimmen oder sogar nur ein schneller Schritt die positivsten sind. “Wenn Menschen mindestens 30 Minuten aerobe körperliche Aktivität bei etwa 70 bis 75 Prozent ihrer maximalen Anstrengung machen, vier bis fünf Mal pro Woche”, sagt er, haben sie eine gute Chance, noch moderateren Depressionen wirksam zu begegnen.

Ändere die Umgebung

Manchmal gibts es nichts Einfacheres, um sich aus einem Gedankenlabyrinth zu befreien, als seinen physischen Raum zu verändern. “Es ist ziemlich erstaunlich wie man aus sich selbst herauskommt, wenn man durch eine Tür heraustritt, wenn man sich traurig oder apathisch fühlt”, sagt Keim. Wenn wir uns lethargisch auf der Couch oder im Büro verirren, sollten wir uns unbedingt zwingen, in ein Café zu gehen, Besorgungen zu machen oder einen Spaziergang zu machen.

Geh’ raus

Unsere Spezies hat sich nicht entwickelt, um in schnelllebigen, hippen städtischen Umgebungen zu leben. Und wir haben uns sicher nicht weiterentwickelt, um übermäßig dramatische und angsteinflößende Nachrichten zu sehen. Nach der Biophilie-Hypothese, die von dem Harvard-Entomologen Wilson populär gemacht wurde, entwickelten wir uns in der Natur.

Forscher spekulieren, dass wenn wir in der Natur sind, unsere Kampf-oder-Flucht-Stressreaktion zugunsten eines ruhigeren Zustands nachlässt. Studien in Japan haben ergeben, dass “Waldspaziergänge” oder gemächliche Spaziergänge durch Grünflächen Stresshormone reduzieren, die Aktivität des Nervensystems vermindern und den Blutdruck und die Herzfrequenz senken.

Andere Forschungen der Stanford University haben ergeben, dass Spaziergänge in der Natur weitaus effektiver sind als Stadtspaziergänge, um die Empfindungen von Angst- und Nervenaktivität in dem Teil des Gehirns zu reduzieren, der damit verbunden ist. Obwohl es keine spezifische empfohlene Dosis gibt, schlagen Forscher aus Finnland vor, dass wir jeden Monat mindestens fünf Stunden in der Natur verbringen sollten. Für einen akuten Anfall von Traurigkeit oder Angst, empfiehlt sich eine Tageswanderung oder, wenn das Wetter es zulässt, eine Nacht Camping.

Interaktion mit anderen Menschen – im wirklichen Leben

“Gemeinschaft ist der Schlüssel”, sagt Keim. Das Letzte, was man vielleicht tun möchte, wenn man sich beschissen fühlt, ist Zeit mit Anderen zu verbringen. Aber mit anderen zusammen sein ist, ist fast immer eines der besten Dinge, die wir gegen das Stimmungstief unternehmen können. Online können wir mit Tonnen von Menschen verbunden sein, aber das ersetzt nicht die reale Sache . In der Zeitschrift Physiology and Behavior veröffentlichte Forschungsergebnisse zeigen, dass die Interaktion mit Freunden in einer entspannten Umgebung das Stresshormon Cortisol senkt. Keim glaubt, dass die soziale Verbindung auch dazu beiträgt, das Nervensystem in einen entspannten Zustand zu versetzen.

Abmelden

Soziale Medien sind ein großartiger Ort um Menschen zu treffen und Ideen auszutauschen. Es kann aber auch ein Multiplikator der Negativität sein. Wer glaubt, dass der soziale Feed (oder das Internet allgemeiner) eine physische Manifestation des Wiederkäuens ist, ist das Beste, er tun kann, eine Pause einzulegen. “Gehen Sie auf Internet-Diät”, rät Keim. “Gönnen Sie sich 24 bis 48 Stunden, in denen Sie sich nicht damit beschäftigen, und wenn Sie zurückkommen, denken Sie achtsamer und bewusster darüber nach, wem Sie folgen und welche Websites Sie besuchen.”

Professionelle Hilfe

Es gibt einen großen Unterschied zwischen einer vorübergehenden und leichten Depression oder einer ernst zu nehmenden Angststörung und einer alle Kraft aufzehrenden Depression.

Wenn die Selbstbehandlung nicht funktioniert und Deine Symptome sich verschlimmern, versuche nicht allein damit klar zu kommen. Lass Dir helfen! (Wenn Du darüber nachdenkst, Dich selbst zu verletzen, wende Dich bitte an die Telefonseelsorge unter 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 an oder wende Dich an den Chat der Telefonseelsorge).

Die Tatsache, dass Psychotherapie noch immer stigmatisiert ist, ist völliger Schwachsinn. Wenn Du bis an den Punkt kämpfst, wo Du Dich überhaupt nicht mehr wie Du fühlst und es Deinen Alltag beeinflusst, ist eines der stärksten Dinge, die du tun kannst, um Hilfe zu bitten.

Niemand würde zweimal darüber nachdenken, wegen eines gebrochenen Beines zum Arzt zu gehen. Behandle deinen Geist genauso.

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