Interview: Claudia vom Deutschen Roten Kreuz


Anlässlich des 150jährigen Bestehens des Deutschen Roten Kreuzes haben wir uns gedacht, dass es einmal Zeit ist jemanden hinter den Kulissen zu befragen. Dazu haben wir uns mit Claudia Brandt getroffen. Sie hat uns Rede und Antwort gestanden.

strongg.com: Hallo Claudia, stell dich bitte kurz vor.
InterviewHm, Selbstbeschreibungen sind immer doof (lacht). Das druckst du doch aber nicht genauso wie ich das jetzt sage, oder? Also, ich bin Claudia Brandt, bin jetzt 33 Jahre alt und bin beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) für den Bereich Jugendarbeit zuständig. Ich vertrete dort die einzelnen Jugendrotkreuzgruppen im Kreisvorstand. Das jetzt auch schon seit ein paar Jahren. Ich weiß nicht ganz genau wie lange, aber eine ganze Weile ist es schon.

strongg.com: Du engagierst dich aktiv im DRK. Speziell im Jugendrotkreuz. Wie bist du dazu gekommen?

Das war damals so: Ich war damals 15 Jahre alt, glaube ich. Mein Onkel hatte mir erzählt, dass es beim DRK eine Sondereinsatzgruppe gibt. Und weil ich eine Ausbildung im medizinischen Bereich machen wollte, habe ich gesagt: “Das schaue ich mir mal an!” Die SEG ist eine Truppe, die heute noch existiert. Sie rücken im Ernstfall mit dem Katastrophenschutz zusammen aus und unterstützen ihn. Dann habe ich aber ganz schnell mitbekommen, dass das eigentlich nichts für mich ist, da ich vom DRK und Erste Hilfe noch gar keine Ahnung hatte. Durch die Kontakte der SEG bin ich dann zum Jugendrotkreuz gekommen und habe schnell gemerkt, dass mir die Arbeit dort viel besser gefällt. So bin ich zum Jugendrotkreuz gekommen.

strongg.com: Das DRK feiert dieses Jahr 150 jähriges Bestehen. Inwieweit hat das DRK deinen Alltag verändert? Nimmst du einige Dinge jetzt aus den Augen eines Erstretters war?

Ich denke schon, dass ich in bestimmten Situationen auch mal ein bisschen genauer hinschaue, als manch andere Leute. Einfach wegen dieser Ausbildung, wegen dieser kleinen oder großen Verpflichtung sich selbst gegenüber. Wenn man so eine Ausbildung beim DRK gemacht hat, dann geht man doch ganz anders durch die Welt. Wenn dann irgendwo jemand umfällt, schreit oder “Hilfe!” ruft, dann hat man einen ganz anderen Blick dafür und reagiert entsprechend.

strongg.com: Weil der Anspruch an sich selbst wächst?

Ja, genau. Im Zug beispielsweise, wenn der gerammelte voll ist und es steigen jetzt noch Oma und Opa ein, fühle ich mich als Angehörige einer Hilfsorganisation eher verpflichtet den Beiden einen Platz frei zu machen oder ihnen über die Straße zu helfen. Das hat mich verändert und ich glaube, dass es vielen anderen DRKlern ähnlich geht.

strongg.com: Das bestärkt dich vor allem in deinen eigenen Wertvorstellungen?

Ja, richtig. Ich kam schon mehrmals in Situationen, in denen ich Erste Hilfe leisten konnte und es ist einfach schön, weil du weißt: “Du kannst das!”. Vor allem auch an einem „lebenden Objekt“ und nicht an einer Puppe oder jemandem der die Verletzung gerade spielt (lacht). Das schöne ist eben, dass du das was du beim DRK gelernt hast auch Draußen anwenden kannst, und dass du vor allem den Mut dazu hast.

strongg.com: Was ist deiner Meinung nach das beste am DRK?

Das ist eben genau dieser praxisnahe Bezug. Dass du das Gelernte auch anwenden kannst. Vor allem die Erste Hilfe. Du brauchst um deine Mitmenschen im Ernstfall nicht mehr Angst zu haben. Wenn jemand ins Büro kommt oder du jemanden auf der Straße siehst, der eine blutige Nase hat, weißt du wie du damit umgehen musst. Das ist das Schöne. Auch diese vielen Menschen die beim DRK tätig sind. Wir sind wie eine große Familie. Mir hat mal jemand gesagt: “Beim DRK sind alle per Du!” Auch die Jugendarbeit an Schulen ist eine tolle Sache. Du gehst dahin, machst Erste-Hilfe-Unterricht, einen Projekttag oder etwas anderes und die Kinder merken sich deine Person. Du gehst dann mal durch die Stadt und wirst von den Kindern wieder erkannt. Dann weißt du, dass die Kinder auch etwas mit nach Hause genommen und verinnerlicht haben.

strongg.com: Was hat gibt es so alles im DRK zu tun? Was für Bereiche deckt ihr ab?

Es gibt die Wasserwacht, das Jugendrotkreuz, die Rettungshundestaffel und die Bereitschaften. Das sind im Grunde die Haupttätigkeitsfelder im DRK was den ehrenamtlichen Bereich betrifft. Beim Katastrophenschutz gibt es auch noch verschiedene Untergruppen. Beispielsweise die Wassergefahrengruppe. Sie retten und bergen Menschen, Tiere und Sachwerte aus Wassergefahren, wirken an der Bekämpfung von Gefahrgutunglücken an und auf Gewässern mit, versorgen Menschen, die vom Wasser eingeschlossen sind und wirken bei der allgemeinen Hochwasserabwehr und bei Eisgefahren auf Gewässern mit.

Dann gibt es beim Katastrophenschutz noch den Betreuungszug und den Sanitätszug. Der Sanitätszug errichtet und betreibt Verbandplätze, stellt dringend benötigtes Material (z.B. Decken, Tragen, Verbandmaterialien usw.) bereit, befreit Verletzte aus lebensgefährlichen Situationen und führt die Erstversorgung durch, übernimmt erstversorgte Geschädigte vor Ort und führt diese dem Verbandplatz zu, unterstützt den Rettungsdienst bei der Versorgung von Verletzten, versorgt und betreut die Verletzten und Kranken bis zu deren Abtransport durch den Rettungsdienst. Der Betreuungszug leistet dort Hilfe, wo Betroffene sich aufgrund der Situation aus eigener Kraft nicht selbst helfen können, betreut und versorgt hilfebedürftige Menschen mit lebensnotwendigen Versorgungsgütern, sorgt für die Verpflegung und die vorübergehende Unterbringung von Betroffenen und versorgt die Einsatzkräfte mit Verpflegungsgütern. Auch sehr interessant ist die Arbeit der Rettungshundestaffel. Es ist toll zuzusehen, wenn die Hunde loslaufen und jemanden suchen.

strongg.com: Wo geht die Reise des Roten Kreuzes hin? Welche Projekte habt ihr noch geplant? Was darfst du mir verraten?

Wir haben vor einiger Zeit das Projekt “Schule & DRK” ins Leben gerufen. Ich erhoffe mir, dass wir noch mehr Kinder und Jugendliche für das DRK begeistern können. Egal, ob für die Wasserwacht oder für das Jugendrotkreuz. Ein weiteres Projekt des DRK seit diesem Jahr ist die Erste Hilfe in den Bildungsplan zu integrieren.

strongg.com: Gab oder gibt es in deiner Karriere Situationen in denen du es bereut hast DRKler zu sein? Hast du bei bestimmten Situationen Berührungsängste?

Nein, eigentlich gar nicht. Es gibt zwar hin und wieder Momente in denen die Arbeit sehr zeitaufwändig ist, aber im Großen und Ganzen gibt es immer wieder Kammeraden und Kameradinnen auf die man zugehen und um Hilfe bitten kann. Toll ist auch, dass ich durch meine langjährige Arbeit schon sehr viele Leute kennengelernt habe. Wenige engagieren sich nicht in dem Umfang für das DRK wie ich und das muss auch gar nicht sein. Trotzdem stehen sie bei Engpässen bereit, helfen mit und finden so immer wieder den Weg zurück zum DRK. Aber es ist beruhigend zu wissen, dass man sich im Ernstfall auf sie verlassen kann. Ich habe es nie bereut zum DRK gegangen zu sein.

strongg.com: Warum sollte man unbedingt beim DRK anfangen? Sind es die Erlebnisse die charakterbildend prägen oder das Kameradschaftsgefühl etwas gemeinsam zu erreichen?

Es ist eigentlich alles. Es sind die Veranstaltungen an die man sich gern erinnert. Wir haben letztens gerade wieder zusammen gesessen und nachgedacht was alles in den letzten Jahren so passiert ist. Für uns sind es ja noch keine 150 Jahre (lacht). Aber vor allem ist es schön zu wissen, dass man gebraucht wird.

strongg.com: Jetzt kannst du nochmal richtig Werbung für das DRK machen. Leg los!

Ich kann wirklich jedem empfehlen sich für das DRK und das Jugendrotkreuz zu engagieren. Es muss nicht jedes Wochenende sein, sondern einfach mal diese zwei drei kleinen Einsätze im Jahr, bei denen man die Erfolge und das Kameradschaftsgefühl miteinander erlebt. Das tolle am DRK ist zudem, dass man durch einfache Dinge wie nette Gesten oder eine Umarmung eine ganze Menge Dankbarkeit erfährt und viel zurück bekommt. Das ist auch der Punkt, der mich immer wieder motiviert weiterzumachen. Die Anerkennung für die verschiedenen organisierten Veranstaltungen wie beispielsweise den diesjährigen 8ten DRK-Ball zählt auch dazu. Der Moment, wenn man auf das Plakat schreiben kann, dass die Veranstaltung ausverkauft ist, ist überwältigend.

strongg.com: Vielen Dank für das nette Gespräch.

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