Birnen bringen keine Punkte


Abnehmen durch Ernährung

Ohne Frage … Der Fortschritt der Zivilisation ging so schnell voran, dass die Natur des Menschen leider einfach keine Zeit mehr hatte Schritt zu halten.

Beispielsweise stiegen die sozialen Anforderungen an den Einzelnen ins Unermessliche. Das Raster, in das man passen muss, wurde so eng, dass man sich schon bei leichtem Abweichen der Norm durchgehend am Fernseher vor Sendungen wie dem Dschungelcamp und im schlimmsten Fall sogar als einer deren Teilnehmern wieder findet.

Mit dem schnellen Wechsel unseres Lebenswandels auch nicht mithalten konnte unser Körper …  Ein kulinarisches Schlaraffenland, ohne dafür körperlich arbeiten zu müssen, das war für uns so nicht vorgesehen. Eine der Nebenwirkungen unserer Gesellschaftsform tragen viele von uns in Form von ein paar Kilos zu viel mit sich herum. Das widerspricht nicht nur dem etwas seltsamen Schönheitsideal, sein Geburtsgewicht um jeden Preis bis ins hohe Alter halten zu müssen, es kann ab einem gewissen Maß tatsächlich gesundheitlich sehr unschöne Nebenwirkungen mit sich bringen.

Wenn man also bemerkt, dass sich ein fortschreitender Zusammenhang von Alter und Körpergewicht einschleicht, ist es höchste Zeit, etwas zu tun. Dann müssen erstmal ein paar Kilos weg. Und mindestens genauso schwer: sie sollen es auch bleiben. Je früher man damit anfängt, umso besser, denn 20-30 Kilogramm abzuspecken und das auf Dauer zu halten, das ist sicherlich weit schwerer, als sich frühzeitig Gedanken über sein Körpergewicht zu machen.

Bei mir war Auslöser zum Umdenken der Punkt, an dem der BMI sich stark der Grenze von Übergewicht zur Fettleibigkeit näherte. Auch wenn für Menschen mit naturgemäß eher hoher Muskelmasse der BMI mit Sicherheit nicht der Weisheit letzter Schluss ist: Zu viel ist zu viel. Also: Loslegen. Aber wie?

Ich habe schon einige, meist halbherzige Versuche hinter mir, den Winter nicht mit zusätzlichen Kilos zu verlassen, aber so richtig überzeugend war keiner davon. Auch wenn der Wille sicherlich auch seine Grenzen hatte, es fehlte einfach der richtige Weg. Angeboten werden ja zahlreiche Diäten … Kohl, Lauch,Trennkost, Brigitte und wie sie alle heißen. Und es gibt die Ernährungswissenschaft.

Ja, das ist die Wissenschaft, die ihre Erkenntnisse und Prinzipien häufiger über den Haufen wirft als alle anderen zusammen. Also schaue ich mir das mal nicht zu genau an und versuche es mal mit etwas gesundem Menschenverstand und stelle mir so mal ein paar Grundregeln auf.

[tabs tab1=”Vielseitigkeit” tab2=”Zutaten” tab3=”Fertigzeug” tab4=”Regel Nr. 1” tab5=”Langsam abnehmen“]
[tab]Wenn ich mich so umschaue, was manche sich täglich reinhelfen, scheint der Mensch erstaunlich gut die unterschiedlichsten Ernährungsweisen verwerten zu können ohne zu erkranken. Aber mit einer vielseitigen Ernährung kann man schon nicht soooo viel verkehrt machen. Ich glaube sowas sagen sogar die Ernährungswissenschaftler.[/tab]
[tab]Qualität und Nachhaltigkeit ist gut. Denn: Hey, es geht um das, womit wir unseren Körper betreiben. Edelbenzin tanken und dann billigst produzierte Lebensmittel? Es schadet einfach nicht, vernünftige Qualität zu kaufen. Bio ist zwar auch nicht perfekt, aber sehr wahrscheinlich nicht schlechter als Discount. Noch dazu sind viele Nahrungsmittel unter verheerenden sozialen oder ökologischen Bedingungen produziert. Meine Vermutung: Je weiter der Preis von Bio und normal bei einem Produkt abweicht, umso mehr wird bei der herkömmlichen Produktion rumgesaut. Bei Möhren ist es ziemlich wenig, bei Tomaten sieht es schon anders aus …[/tab]
[tab]Mag sein, dass dieser Punkt nicht sooo entscheidend ist, weil der Mensch schon echt viel abkann. Aber das letzte, was die Nahrungsmittelindustrie hervorgebracht hat sind Maggi und Knorr Fix. Schon allein geschmacklich und im Wesentlichen ist das nur Zucker und Geschmacksverstärker und irgendein künstliches Zeug, das man nicht wirklich essen möchte. Doch die Liste der Lebensmittel, die die Welt nicht braucht, ist weit länger. Wenn man abnehmen möchte, ist das auf Profitmaximierung ausgelegte Essen sicherlich keine so gute Wahl.[/tab]

[tab]Die einfachste Regel zum Gewichtsverlust: Mehr Energie verbrauchen, als man zu sich nimmt. Ja: das Erfolgskonzept zum Abnehmen ist höchst simpel. Wenn du mehr verbrauchst als du einnimmst, nimmst du ab. Das ist logisch und sinnvoll … Aber die Umsetzung ist etwas schwieriger.[/tab]
[tab]Der Körper lässt sich nicht verarschen. Wenn du ihm zu wenig gibst, lernt er, noch effektiver zu arbeiten. Und er wird sich für solche schlechten Zeiten vorbereiten. Mit mehr Reserven. Eine vernünftige Dosierung muss also her.[/tab]
[/tabs]

Also: Was tun?

Von einseitigen Diäten, die sich zu sehr auf ein Nahrungsmittel stürzen, halte ich aufgrund der gerade genannten Punkte nichts. Am wenigsten von einer Low-Carb Diät (z.b. Atkins), bei der auf Kohlenhydrate verzichtet werden soll aber dafür Proteine im Überfluss verzehrt werden dürfen. So fleischreiche Kost sollte in Zeiten der Massentierhaltung und der Umweltfolgen der Fleischproduktion doppelt überdacht werden. Mag sein, dass es zum Abnehmen kurzfristig funktioniert, aber es macht einfach keinen Sinn. Zu einseitig, zu kalorienreich.

Dann gibt es dann noch “schlank im Schlaf”, eine so genannte Insulin-Trennkost. Morgens Kohlenhydrate, Mittags gemischt, abends Proteine.  Der Insulinspiegel soll dabei so gesteuert werden, dass man über Nacht Fett abbaut. Ist ja schon mal vielseitiger und im Schlaf abnehmen klingt ja ganz gut. Ich habe es probiert und fand es ätzend. Abends nichtmal ne Scheibe Brot oder etwas Obst … Nee, danke. Und es funktionierte nicht.

Gut, wenn man sich ganz strikt an die Regeln hält, wird es wahrscheinlich klappen. Denn wenn man die Vorgaben dieser Diät genau liest, werden nämlich auch Fette und Kohlenhydrate bei den jeweiligen Mahlzeiten beschränkt.  Und schon wird aus “schlank im Schlaf” “schlank durch weniger Essen” … Welch Überraschung. Einige haben anscheinend damit Erfolg, aber für mich zu kompliziert, zu umständlich. Und wenn ich mich an Rezepte halte, dann nicht an die von Mälzer, Oliver und Co (welche man dann zum Abnehmen etwas Kalorien reduzieren muss) und nicht an die von so einem Diätbuch. Ich will mehr Flexibilität.

Eine recht beliebte und kostenlose Variante ist der Nestle Ernährungscoach: http://ernaehrungsstudio.nestle.de/start/home/ ein kostenloses Programm, welches Kalorien zählt. Zunächst möchte ich anmerken, dass Nestle an der Gesundheit seiner Kunden genauso sehr interessiert ist, wie ein Ölkonzern an der Unversehrtheit der Natur. Nestle geht es bei allen Aktivitäten um die Zufriedenheit seiner Gewinne und höchstens noch seiner Aktionäre.

Bei dem Mist, den die auf den Markt bringen, wette ich dass die nicht wenige Aktien bei Pharmaunternehmen haben, die sich an Fettleibigkeit eine goldene Nase verdienen. Nichts desto trotz: Das System ist sinnvoll, aber für meine Anforderungen zu kompliziert. Einzelne Kalorien zählen geht gar nicht, da muss ich ja jeden kleinen Snack wiegen und Dokumentieren. Schönen Dank.

Tja … Und so landete ich letzten Endes bei einem der populärsten Systemen: Weight Watchers. Das Prinzip in Kürze: Lebensmittel mit hoher Energiedichte geben Punkte. Davon hat man pro Tag abhängig von Alter, Geschlecht, Gewicht, Größe und Tätigkeit ein Kontingent. Sport gibt Extrapunkte. Das Beste daran: Das meiste Obst und Gemüse bringt einfach keine Punkte. Somit entfällt lästiges Kalorien zählen für sehr viele Zutaten ohnehin, den Rest hat man schnell im Kopf.

Es geht schnell, einfach und löst viele Probleme des Abnehmenden. Abendliche Hungerattacken lassen sich zum Beispiel mit einem Apfel oder Gemüse bekämpfen oder es lassen sich für solche Fälle auch Punkte aufheben. Und man darf wirklich alles essen, nur halt nicht mehr so viel von allem. Ein Stück Schokolade hat bereits einen Punkt, eine Nussecke stolze 12,5.

Das ist mehr als das halbe Tagesbudget so mancher Frau auf Diät. Aber es gibt für fast alles eine kalorienärmere Alternative. Und wenn nicht: weniger nehmen und das umso mehr genießen. Oder wenn man mal richtig schlemmen möchte, isst man an dem Tag sonst fast nur Obst und Gemüse oder holt sich Zusatzpunkte durch Sport. Geht alles, das ist das Schöne.

Nachteil von Weight Watchers ist natürlich, dass es Geld kostet. Auch wenn die Oliver Kahn für Werbung bezahlen können (was ehrlich gesagt nicht sehr authentisch ist) und somit ziemlich sicherlich profitorientiert sind, der Preis ist meiner Meinung nach in Ordnung. Wenn man sich die 16eur pro Monat (je nach Leistungen) nicht leisten kann oder möchte: Es ist so, dass WW kürzlich ein neues Punktesystem (“Pro Points”) herausgebracht hat.

Die Angaben für die alten “Flexpoints” lassen sich mit googlen innerhalb von Sekunden finden, ebenso wie alle Regeln und die 18 Sattmacher (s.u.). Und das funktioniert alles schon sehr, sehr gut. Es geistert eine komplette Liste mit den Punkten im Netz, die es sich auszudrucken lohnt. Und wenn nicht … schnell Google befragen. Auch ich muss sagen, dass ich so abnehme, ohne die Familienkasse zu belasten, selbst wenn das sonst nicht mein üblicher Weg ist.

Es gibt bei WW auch noch ein paar Sonderregeln. Zum Beispiel gibt es 18 Sattmacher (die man dank Google auch sehr schnell findet), von denen man von einem einmal am Tag essen darf und sich trotzdem nur drei bis vier Punkte aufschreiben muss. Natürlich ist hier eine Möglichkeit, das System zu hintergehen, aber wer sich nicht bis knapp vor dem Erbrechen vollstopft wird merken, dass das auch so ziemlich gut mit der normalen Punktezahl hinhaut.

Das erleichtert das Zählen enorm. Man muss es nicht so genau nehmen und dennoch funktioniert es. Auch wichtig ist noch zu beachten, genug gesunde Fette zu sich zu nehmen (siehe: 6 Grundregeln von Weight Watchers).

Die Punkte erziehen einen regelrecht und bringen einen schnell auf den richtigen Weg und passen super zu meiner Philosophie. Wer trotz dieser Diät nicht hungern möchte, muss einfach auf viel Obst und Gemüse setzen, sonst hat man nur sehr wenig zu beißen. Wer selber kocht, hat es da viel einfacher. Auch wenn wir vorher schon ziemlich viel frisches gegessen haben, jeder Einkauf sieht nun nach Erntedankfest aus. Man lernt, die anderen Dinge wie z.B. Schokolade wirklich zu genießen, denn sie sind bei einer Diät halt seltener und somit kostbarer.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal so reden würde, aber Mist, Weight Watchers funktioniert einfach. Mein Vater, meine Frau und ich haben alle bisher ziemlich erfolgreich abgenommen. Und alle drei mehr als mit allen anderen Versuchen. Es ist einfach ein System, dass sich trotz Familie und auch mal Stress durchziehen lässt. Bei mir sind nun schon vier meiner avisierten acht Kilos runter, wenngleich die ersten vier sicherlich einfacher sind, als das nun für die nächsten etwa acht Wochen durchzuhalten (WW zielt auf 0,5kg/Woche Gewichtsverlust ab).

Ein Beigeschmack bleibt jedoch: So reinhauen und bedenkenlos Essen wie damals, das wird man nicht wieder können. Denn um das Gewicht zu halten, bekommt man bei Weight Watchers nach dem Abnehmen lediglich vier Punkte mehr. Und wenn das stimmt, was die da einplanen, habe ich früher einfach viel zu viel gegessen. Ich plane nach dem Abnehmen dann mit diesen vier Punkten eine Weile weiterzumachen und danach nur noch nach Gefühl vorzugehen.

Mal sehen, wo ich in einem Jahr dann stehe. Aber ganz ehrlich: Bisher bin ich ganz guter Dinge, wenngleich Rückschläge bei einer Diät immer mal zu erwarten sind.

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