Avocado im Superfood-Check


Neulich habe ich Material für meinen Beitrag über den äußerst gesunden und vielseitigen Grünkohl recherchiert. Heute denken wir ja ausschließlich in Superlativen – Grünkohl wird jedenfalls zurecht als Superfood bezeichnet. Leider und zu meinem großen Missgefallen wird hierunter auch die Avocado gezählt.

Wer meinen Beitrag über Grünkohl gelesen hat, weiß um meine persönliche Abneigung gegen die Fettfrucht oder Butterfrucht wie die Avocado auch genannt wird. Ich möchte berichten und aufrütteln.

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Avocado – Was steht zwischen uns?

Um die Emotionen zu verstehen, die die Avocado in mir weckt, muss ich kurz ausholen: Als ich noch ein junger Mats war und mein Leben mit einer grundständigen Ausbildung in den ersten selbständigen Abschnitt ging, ging es mir wie den meisten jungen Menschen in diesem Lebensabschnitt. Das selbst erarbeite Lehrgeld reichte für Allerhand – jedoch nur etwa eine Woche lang. Danach war Schmalhans Küchenmeister. Ausgangssituation also: ein Azubi ohne Knete.

Allerdings, auch als Azubi möchte man sich hin und wieder einen kleinen Luxus gönnen. Genau hier kommt die Avocado ins Spiel: Zu Mittag aß ich immer mit meiner Meisterin, die ein ums andere Mal eine tolle Frucht verzehrte. Allein das Ritual des Abschälens und darunter das weiche, zart grüne Fruchtfleisch, das sie mit einem Messer abschnitt und roh verspeiste, ließ mir das Wasser im Mund zusammenlaufen. Um ein Stück bitten? Undenkbar!

Meine Ausbildung liegt schon viele Jahre zurück und die Avocado konnte man seinerzeit nicht mal eben beim Discounter zum Preis eines Apfels erwerben. Mein innerer Drang, mir diesen Luxus zu leisten, war jedoch so groß geworden, dass ich – allen finanziellen Zwängen zum Trotz – in einen Laden ging, mir dort zwei wunderschöne Avocados kaufte und sie, wie etwas unheimlich Wertvolles, nach Hause trug. In meiner kleinen Küche verstaute ich sie dann sorgsam und freute mich auf das Wochenende wenn ich es mir mit dem genussvollen Verzehr dieser mir unbekannten Frucht gut gehen ließe.

Endlich Freitag, eigentlich könnte ich ja schonmal von der Frucht naschen aber nein ich wollte das Ereignis auskosten um am Samstag beim Frühstück die Avocado “schlachten”. Der Samstag kam. Ich machte es wie meine Meisterin und schälte die Schale der Avocado ein Stück weit auf und schnitt einen Bissen aus dem fettigen Fruchtfleisch. Und stellte mich auf Genuss ein.

Fehlanzeige! Was ich da im Mund hatte, fühlte sich an als hätte ich es direkt von einem Stück Butter abgeschnitten und an Geschmack war allenfalls etwas von Zucchini oder jedenfalls irgendwie pflanzliches vorhanden. Ich hatte meine liebe Not dies erste Stück hinunter zu bekommen. Da saß ich nun mit zwei Avocados in die ich so viel Vorfreude gesteckt hatte und nun das! Wie das Kind was sich ewig auf seine Geburtstagsparty freut, dann erwartungsvoll und glücklich am Tisch sitzt und keines der eingeladenen Kinder erscheint, saß ich nun an meinem Tisch und versuchte den Tag trotzdem zu genießen und die Enttäuschung zu ertragen.

Glaubt mir – ein solches Erlebnis verändert dauerhaft die Beziehung zu einer Frucht.

Was spricht faktisch gegen die Avocado?

Es gibt natürlich auch Vernunftgründe, die jeden Menschen seinen Avocadokonsum überdenken lassen sollten, denn unsere Umwelt leidet unter dem Avocado-Boom – und das nicht zu knapp.

 

 

 

  • Regenwaldabholzung in Mexico
    Zwischen 1500 und 4000 Hektar Regenwald werden Jahr für Jahr gerodet um Avocadoplantagen anzulegen.
  • Enormer Wasserbedarf
    Der Avocadobaum benötig PRO TAG 5o Liter Wasser. Die erste Ernte kann frühestens nach 7 Jahren erfolgen und ein Baum trägt maximal 100 Früchte. In Summe werden somit für 1 Kilo Avocado 1000 Liter Wasser benötigt. Ein Salat benötig im Schnitt etwa 180 Liter Wasser.  Wäre unproblematisch wenn die Bäume denn im Wasser wachsen würden. Tun sie aber nicht – im Gegenteil sie werden in Gegenden angebaut in denen ohnehin Wasserknappheit herrscht, so dass der Grundwasserspiegel sinkt und ganze Ortschaften in Mexico aufgegeben werden müssen.
  • Der Avocadobaum benötigt mineralischen Dünger
    Biologische und nachhaltige Landwirtschaft ade. Die mineralischen Dünger versalzen den Boden und verseuchen zusätzlich das Grundwasser.
  • lange Transportwege in Kühlcontainern
    Um die desaströse Ökobilanz komplett zu machen muss die Avocado den ganzen Weg aus den Anbauländern Mexiko, Kolumbien, Indonesien, Chile, Brasilien, Kalifornien, Südspanien und Israel in Kühlcontainer in den heimischen Supermarkt geschafft werden.

Avocado ist Luxus und kein unverzichtbares Allroundlebensmittel!

Wer für seine vegane Lebensart unbedingt auf Avocado zurückreifen muss bittesehr. Aber dann sollte die Avocado auch als das verkauft werden was sie ist. Ein Luxusprodukt mit einer verheerenden Ökobilanz. Da alle wundervollen Eigenschaften die diese Butterfrucht mit sich bringt auch durch heimische Erzeugnisse abgedeckt sind, gibt es für mich keinen Grund warum die Avocado nicht 5 oder 10 Euro kosten sollte um den Konsum wieder in normale Bahnen zu lenken.

In Dänemark haben zwei Lebensmittelketten bereits Avocados aus Chilenischem Anbau aus dem Sortiment verbannt weil nachweislich Wasser auf illegalem Wege aus Flüssen auf die Plantagen umgeleitet wurde, wodurch sie tatsächlich ausgetrocknet sind. Das Problem ist nämlich, dass die Plantagen mitnichten denjenigen gehören, die vor Ort leben, sondern großen Konsortien denen es herzlich egal ist was für die Bevölkerung nach der Avocado kommt.

 

Bildquellen

Comments 2

  1. Ich LIEBE Avocados. Esse sie jedoch als Luxusartikel, also selten und mit Genuß.

    Ich hab mich sehr über deine Schilderung deiner Abneigung erfreut, möchte jedoch ergänzen: ich finde sie schmeckt wie Ei, sie eignet sich hervorragend als Butterersatz für denjenigen der keine Milchprodukte mag oder verträgt.

    Ich denke es sollte tatsächlich um den Anbau der Frucht gehen und ihren daraus folgenden Marktwert. Ich stimme dir hier voll zu….

    Raus aus dem Discounter und lieber ein paar Euro drauf zahlen!

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